Sonntag, 5. November 2017

Die Film und Comic Convention: Die erste Cosplay Con für Karlsruhe und für uns

*Achtung, fotolastiger Beitrag*

Man mag es kaum glauben: Nun begleiten uns Kostüme schon über so viele Jahre - aber auf einer Cosplay Convention waren wir noch nie. Früher war das Thema "Cosplay" für uns kein Thema. Hineingeschnuppert haben wir erst durch die Facebook-Accounts diverser Cosplayer aus aller Welt. Für alle, die mit dem Begriff so gar nichts anfangen können: Grob gesagt ist Cosplay nichts anderes, als in ein Kostüm zu schlüpfen und eine Figur darzustellen. Aber näher betrachtet ist es ein richtig weites Feld: Menschen, Tiere oder Fantasywesen; Charaktere aus Realverfilmungen, Animations-Filmen, Serien, Computerspielen, Mangas und Animes oder auch Eigenkreationen - man findet in der Cosplay-Welt so ziemlich alles. Auch bei den gewählten Materialien gibt es unzählige Möglichkeiten, die über das reine Nähen hinausgehen. Da gibt es z. B. Worbla, Fimo, Schaumstoffe, Moosgummi, Holz, Silikon ... Irgendein Material findet sich immer, mit dem manche auch die unmöglichsten Accessoires zaubern. Andere wiederum lassen nähen und kaufen ihre fertigen Cosplays. Und auch bei den Zielen sind die Unterschiede groß: So gibt es professionelle Cosplayer und solche, für die es reines Hobby ist. Für uns persönlich steht definitiv der Spaß, einen Tag lang in eine Rolle zu schlüpfen, im Vordergrund. Wir nehmen an keinen Wettbewerben teil und können gut damit leben, dass nicht jedes Detail des Originalkostüms für uns umsetzbar ist.

Kostüme begleiten uns nun schon sehr, sehr lange, und ein bisschen Cosplay waren unsere Aktivitäten schon immer - wir nannten es nur einfach "kostümieren" oder "gewanden". :-) Als wir hörten, dass in Karlsruhe zum ersten Mal die Film und Comic Con stattfinden würde, brauchten wir darum auch nicht lange zu überlegen. Was würde sich besser eignen, um in die Cosplaywelt hineinzuschnuppern, als eine Cosplay Convention vor der Haustüre. Zunächst stellte sich uns die wichtigste Frage: Welche Figuren stellen wir dar? Dani und Sylvie lasse ich am besten selbst zu Wort kommen:

Dani über ihr Kostüm:

Wie auch Sylvie stellte ich mir die Frage: Was ziehe ich zu meiner allerersten Convention an? Es sollte ein Cosplay sein, mit dessen Charakter ich mich identifizieren kann und über den ich einige Hintergründe kenne. Ich habe den Kostümschrank und unsere Facebookfotoalben durchgeschaut, und da war es: Ein Kostüm, welches ich früher oft trug, das eigentlich längst mal wieder getragen gehörte und dessen reale Trägerin mich faszinierte: Mein "Kaiserin Elisabeth"-Kostüm.
Früher trug ich es oft zu historischen Umzügen und auch zu Musicalauftritten, doch nun hing es schon jahrelang im Schrank. Etwas aufgebügelt und anprobiert: Puh, Glück gehabt, es passt noch!
Aber die Perücke war mir noch etwas zu "langweilig". War Kaiserin Elisabeth doch (unter anderem) für ihre wundervolle Haarpracht bekannt. Also habe ich im Internet nach einer Perücke gesucht. Bei Etsy  wurde ich dann fündig und habe ein Haarteil gekauft, das wunderschön geflochten, aber auch leider sehr schwer ist. Zusammen mit Laudine und Sylvie rückten wir diesem Monsterteil zu Leibe und haben es auf meine alte Perücke gesteckt, eingeflochten und so zu einer Einheit verbunden. Dies war gar nicht so leicht, da das Perückenteil zwar vorgeflochten war, aber es zum perfekten Sitz eben erneut bearbeitet werden musste. Zum Schluss kam noch eine Dose farbiges Haarspray zum Einsatz, damit die beiden Perücken auch farblich zusammen passten.

Zum Kostüm möchte ich auch noch einige Worte sagen. Das Kleid ist einem Kostüm aus dem Musical "Elisabeth" (Stuttgarter Version, 2005) nachempfunden. Dort trägt es die Darstellerin während der ungarischen Krönungsszene und dem anschließendem Lied "Wenn ich tanzen will". Auch die wahre Kaiserin Elisabeth hatte solch ein ähnliches Kleid an, als sie 1867 zur Königin von Ungarn gekrönt wurde. Für das Musical mussten einige Details abgeändert werden. Mein Kostüm entspricht eher dem Musicalkleid als dem Original.
Ich habe es nicht selbst genäht, sondern nähen lassen. Adrian vom "Zeitreisenden Nähkästchen" hat sich an diese Aufgabe gewagt. Er hat viel Erfahrung im Schneidern von Gewandungen und arbeitet sehr authentisch, auch mit den Schnittmustern der damaligen Zeit. Dies sieht man einfach dem Kostüm an. Der Rock hat eine Saumlänge von gut 10 Metern, und dementsprechend wurde auch viel Stoff benötigt. Mindestens 8 Meter Damast und zusätzlich noch mal Spitzenstoff hat Adrian in dem Kleid verarbeitet - das Gewicht des Rockes ist dementsprechend hoch! Der Schnitt war teilweise nach Vorbild eines erhaltenen Ballkleides von 1860 auf Maß gezeichnet. So ist es einer korrekten historischen Verarbeitung relativ ähnlich. Eine Ausnahme machte Adrian aber mir zuliebe. Da ich das Kostüm auch für Auftritte brauchte und häufig ein schneller Kostümwechsel nötig war, nähte er mir auf Wunsch einen Reißverschluss ein. Eigentlich ein "No-Go" für historische Gewandungen, aber besondere Situationen erfordern eben Ausnahmen.
Unter dem Rock trage ich einen Reifrock mit einem Durchmesser von 1,20 Meter (dies entspricht einem Umfang des größten Reifen von 3,20 Metern). So einen Reifrock bekommt man nicht an jeder Ecke. Ich bestellte meinen bei "Magic Skirt".

Sylvie über ihr Kostüm:

Da ich selbst recht wenig TV schaue, nicht oft ins Kino gehe und auch mein letzter DVD-Abend recht weit zurückliegt, war es gar nicht so einfach für mich, das passende Kostüm zu finden. Es sollte ja auch einen Charakter darstellen, den ich kenne.
Zu Beginn wollte ich gerne eines unserer vorhanden Kostüme nutzen. Danis Rokokokleider wären dafür in Frage gekommen, z. B. als Elizabeth Swanns Hochzeitskleid oder das grüne Kleid von Madame Pompadour. Bei genauerer Recherche fand ich aber heraus, dass es sehr schwer ist, wirklich passende Perücken dazu zu finden und auch die Kleider die ein oder andere Überarbeitung gebraucht hätten. Also habe ich weiter gesucht und überlegt: Das Hochzeitskleid von „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“… oder die „kindliche Kaiserin/Mondenkind“ aus der "Unendlichen Geschichte" kamen für mich noch infrage.

Bei der Suche nach passenden Kleidern bin ich dann über Kostüme von „Rose“ aus „Titanic“ (1997) gestolpert und hängen geblieben. Ein Film, den ich damals mehrmals im Kino gesehen habe und auch als Special-DVD-Version zu Hause habe. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Con ist im Winter! Warum soll ich mit einem dünnen Kleidchen frieren? So einen Mantel habe ich noch im Schrank hängen! Und zack war die Idee geboren, ein komplett anderes Cosplay zu machen. Weg von den Prinzessinenkleidern und dem Protz. Hin zur halb erfrorenen, durchnässten Rose. Eine Figur, die mir stets gefallen hat, in einem Film, dessen realer historischer Hintergrund mich immer schockiert und fasziniert hat.Wie gesagt, den Mantel hatte ich bereits da. Ein bisschen Schneespray, wie man es von der Weihnachtsdekoration an den Fenstern kennt, ließ ihn gleich vor Kälte erstarren.
Beim Kleid kam ich schließlich von der Aliexpress-Ware weg zu einem historischen Kleid bei Ebay USA. Dieses ist zwar optisch nicht so originalgetreu, aber dafür sieht man ihm an, dass es keine billige Faschingsqualität ist. Die Schuhe kamen dafür umso billiger von Kleiderkreisel (einem Second-Hand-Portal im Internet). Eine langhaarige rote Perücke mit Wet-Look-Gel zu behandeln war auch nicht das Problem.

Nun ging es an die Schwimmweste. Bei Ebay und anderen Anbietern sind solche Westen kaum zu finden oder sehr teuer. Also habe ich mir zur Sicherheit eine neonfarbene bestellt, die ich bemalen wollte, stieß dann jedoch bei Youtube auf eine Anleitung, um die Weste selbst zu nähen. Und dies hab ich dann auch gemacht.
Und los ging es, ziemlich genau nach der Youtube-Anleitung. Das war überraschend einfach, auch wenn ich kleine Abwandlungen vornahm, wie z. B. die Stoffauswahl, die Putzschwämme etc.
Ganz kurz erklärt waren die Schritte wie folgt:
* weiße Leintücher mit Schwarztee färben
* Tücher doppelt legen und mittig ein Loch für den Hals hineinschneiden
* Die Unterteilungen für die Schwämme (Schwimmkörper) aufmalen und dementsprechend nähen.
* Den Hals umsäumen
* Die Schwämme mit Heißkleber etwas zusammenkleben, damit sie nicht verrutschen
* Die Schwämme in die Fächer der Schwimmweste schieben
* Schwimmweste an den Seiten verschließen
* 2 Schläuche/Bänder nähen
Fertig!

 
   

Über mein Kostüm:

Für mich war die Kostümfrage ganz schnell geklärt - Königin Ravenna sollte es sein. Zur Figur aus dem Film "Snow White and the Huntsman", einer düstere Fantasy-Variante des Schneewittchen-Märchens, habe ich in einem früheren Blogbeitrag bereits einiges geschrieben (hier und hier). Jedes ihrer Kleider ist ein Kunstwerk und besticht durch eine morbide Detailverliebtheit. Mal sieht man Käfer auf ihrem Kleid, mal trägt sie einen Umhang aus Krähenfedern oder einen Kragen aus Giftstacheln. Mein Favorit ist ein schwarzes Kleid mit Vogelschädeln, die ich aus Fimo fertigte. Brustplatte, Krone und Fingerschmuck sind aus Worbla. Für die Con besserte ich den Rock, der beim letzten Fotoshooting ein wenig gelitten hatte, mit neuem Stoff aus. Da ein schulterfreies Kleid im November nicht von Vorteil ist, trug ich, inspiriert von dem Federumhang, einen Kragen aus Federn. Den kompletten Umhang nähe ich dann mal, wenn mir 41 Meter Federband in den Schoß fallen. ;-)

Die Convention

Nun waren wir für die Con gerüstet. Gemeinsam mit Franzi, die die Katze Bombaldurina aus dem Musical "Cats" darstellte, ging es zur Film und Comic Con ins Kongresszentrum. Einige Tage vor der Veranstaltung war der Hallenplan veröffentlicht worden. Er ließ unsere Erwartungen nicht wirklich wachsen, denn die Schwarzwaldhalle, in der die Veranstaltung stattfand, ist recht überschaubar. Mit zugegebenermaßen ein wenig gemischten Gefühlen warfen wir uns in Schale und liefen zum Kongresszentrum. Sehr praktisch, wenn der Veranstaltungsort zu Fuß zu erreichen ist. Die ersten "Schwierigkeiten" traten dann gleich auf dem Hinweg auf: Blöd, wenn der Schuh aufgeht, man sich aber aufgrund des starren Kostümoberteils nicht wirklich bücken kann. Aber es gibt ja hilfsbereite Katzen! :-) Überhaupt ist es unglaublich praktisch, dass andere darauf achten, ob Haarklammern noch an ihrem Platz sind, die Krone gerade sitzt oder die Nase noch schwarz geschminkt ist.


Der Besitzer eines Minigolfplatzes, an dem wir vorbeikamen, wollte uns zu einer Runde Minigolf überreden. Wir lehnten dankend ab - wenn doch schon das Binden der Schuhe zum Problem wird ... :-)

  

Der Massenadrang blieb den ganzen Tag über aus, sodass wir in aller Ruhe unsere ersten Runden durch die Halle drehen konnten. 

 
         

Sie war in drei Bereiche gegliedert - auf der einen Seite die Bühne, in der Mitte die Stände der Händler sowie Cosplay-Aussteller, und auf der anderen Seite die Plätze der Schauspieler. 

Ausstellung der "Game of Thrones German Superfans"
  
Ghostbusters Germany
  
Es waren diverse englische und amerikanische Schauspieler aus Harry Potter, Stars Wars, Game of Thrones u. A. anwesend, die uns zum großen Teil allerdings nur bedingt etwas sagten. Fotos durfte man mit ihnen mit einer normalen Eintrittskarte sowieso keine machen, denn sowohl für Autogramme als auch Fotos musste man extra bezahlen. Mit einer Schauspielerin hatte Franzi aber doch ein besonderes Erlebnis. Femi Taylor, die Oola in "Star Wars - Die Rückkehr der Jedi-Ritter" gespielt hatte, sprach sie ganz begeistert an. Es stellte sich heraus, dass sie selbst schon im Musical "Cats" mitgewirkt hatte. Sie war unheimlich nett und zeigte Franzi einige "katzenhafte" Bewegungen. 



Ein weiterer Stargast war die Schauspielerin Hannah Waddingham, Septa Unella in "Game of  Thrones". Mit ihr wurde ein Interview geführt, bei dem die Besucher ihr Fragen stellen durften. Ursprünglich war ein anderer Schauspieler aus GoT für die Con eingeladen wurden, aber sie war ein toller Ersatz, wobei das Wort "Ersatz" ihr gar nicht gerecht wird - so sympathisch und aufgeschlossen wie sie war. 

  

Eine Besucherin fragte, ob sie einmal "Shame on you" sagen könnte, was sie auch sehr überzeugend tat, und was ihr selbstverständlich begeisterten Applaus einbrachte. Anschließend erzählte sie interessante Anekdoten über Game of Thrones und berichtete, wen sie in ihrer GoT-Rolle gerne einmal foltern würde. :-) Klasse reagierte sie, als sich zwei Jawas aus Star Wars an den Bühnenrand stellten und sie in ihrer typischen "Pieps-Sprache" anquiekten - sie piepste ausführlich zurück und meinte: "Ich spreche viele Sprachen." Nur der Bitte, etwas zu singen, kam sie nicht nach, und verwies stattdessen auf Youtube. Am Abend setzten wir uns gleich vor den PC und suchten Videos von ihr. Sie hat wirklich eine klasse Stimme.

Natürlich stöberten wir auch an den Ständen der Händler und entdeckten einige tolle Dinge. Ich erlaube mir ein bisschen Werbung zu machen (nein, wir wurden dafür nicht bezahlt, wir waren einfach sehr angetan):

Bei "Steamspirits" deckten wir uns mit hübschen Steampunk-Schmuck ein.
  
Von NogiArt ließ sich mir ein ganz tolles Ravenna-Porträt anfertigen.

Und bei Yue kaufte ich eine wunderschöne Medusa-Zeichnung.
Zwischendurch machte sich dann der Hunger bemerkbar, und die Füße freuten sich über die Bierbänke im Foyer. Erfreut stellten wir fest, dass es Brezeln gab - eine sehr cosplay-freundliche Speise: macht satt, verschmiert das Make-up nicht und kleckert nicht aufs Kostüm. :-) Noch einen Koffeinschub dazu, und wir waren rundum zufrieden. Auch die Preise hielten sich noch im Rahmen.

 
 
Anschließend drehten wir weiter unsere Runden durch die Halle. Die Convention war wirklich klein, die Anzahl der Merchandising- und Künstler-Stände überschaubar, und das Programm auf der Bühne interessierte uns nicht immer. Aber auch mit "Charaktere raten", Fotos machen und immer wieder netten Begegnungen konnte man die Zeit gut verbringen.

 

Die Stimmung war ruhig, aber positiv: Die Security-Leute am Eingang waren sehr zuvorkommend und schoben beim Verlassen der Halle sogar die Absperrungen zu Seite, damit wir mit unseren ausladenden Röcken mehr Platz hatten. Auf der Toilette kam eine Dame zu mir und beschrieb mir den Weg zur Behindertentoilette, weil ich mit meinem Kleid doch sicherlich Mühe auf der engen Toilette hätte. Die Fotografen fragten höflich um Fotos, und die von uns angesprochenen Cosplayer waren durchweg sehr, sehr nett. Hier mal ein Dankeschön an die freundlichen Helfer und alle, die unserer Bitte nach Fotos so bereitwillig nachgekommen sind!

Die Kaiserin mit einer Scarlet Witch
Beide haben ihre Kostüme beim "Zeitreisenden Nähkästchen" schneidern lassen
 

Viktor Krum aus "Harry Potter" (Robostar Cosplay),
der beim Wettbewerb einen klasse Stockkampf auf der Bühne zeigte

   
Doctor Strange im Doppelpack (rechter Dr. Strange)
Superhelden mögen offenbar Katzen - Bombaldurina mit Thor
Ein genial umgesetzter Weeping Angel aus "Dr. Who" - nur nicht blinzeln!
Die Guardians of the Galaxy mit Fellträgern
Und noch ein Star Lord
Dieser Captain Jack Sparrow spielte seine Rolle perfekt
Mit diesen Damen ist nicht zu spaßen
(aber eigentlich war Lady Loki total nett. :-))


Und mit Bellatrix Lestrange von der HogWizards Costuming Group erst recht nicht!

 
Nochmal Rot und Schwarz, diesmal mit der Black Widow
 
Die "Schwarzen Ladys" unter sich - Morticia Addams, Black Cat und die Dame im beeindruckenden selbtentworfenen Kostüm inklusive Krähe (die vom Apfel beeindruckt scheint ;-))

  
... für ein bisschen Weiß im Bild sorgten Rose und Elisabeth :-)
Und noch einmal ganz in Schwarz: Die Nachtwache aus GoT war auch vertreten

Es piept und miaut: ein Jawa mit Katze
  Bombaldurina fotografierte sich durchs Marvel-Universum -
nun mit Lady Loki
 
Ardyn Izunia aus "Final Fantasy XV" erweist sich als wahrer Gentleman
bzw. Gentlewoman ;-) und beeindruckt Ravenna

Katzen unter sich: Bombaldurina und Black Panther
 Nicht von allen abgebildeten Cosplayern sind uns die Facebook- oder Instagram-Seiten bekannt. Falls ihr euch hier wiedererkennt und auch verlinkt werden möchtet, schreibt mir eine E-Mail oder nutzt unten die Kommentar-Funktion. Gleiches gilt, wenn ihr eurer Foto hier lieber nicht sehen möchtet. 


Zum Schluss sahen wir uns noch den Cosplay-Wettbewerb an, an dem die Teilnehmer Charaktere aus ganz unterschiedlichen Filmen und Games darstellten. Unsere persönlichen Favoriten waren Viktor Krum aus "Harry Potter" mit seinem Stockkampf, ein überzeugend "angetrunkener" Jack Sparrow und ein Wasser-Wesen in sehr aufwändigem Kostüm aus einem PC-Spiel, dessen Name ich leider nicht mehr weiß. Shame on me! ;-)


Mein persönliches Fazit zur Convention: Da dies meine erste Con war, kann ich nicht sagen, wie klein die Con im Vergleich zu anderen tatsächlich war. Wir hörten einige entäuschte Stimmen erfahrener Con-Gänger. Aber für uns war der kleine Rahmen, die überschaubare Anzahl an Besuchern und die freundliche Stimmung der richtige Einstieg in die Cosplay-Welt. Ich hätte mir für den recht happigen Eintrittspreis nur ein etwas abwechslungsreicheres Rahmenprogramm und mehr Stände von Händlern und Künstlern gewünscht. Falls die Con nächstes Jahr aber wieder stattfinden sollte, sind wir dabei - auch gerne im Vorfeld beim Verteilen der Flyer. Karlsruhe als dauerhafte Cosplay-Stadt - das wäre doch was!

  

Und nach den vielen Fotos noch ein Video von der Con, das Sylvie erstellt hat:




Dienstag, 17. Oktober 2017

Unsere vierte Herbstwanderung und Keschdefest in Bindersbach - es war ein stimmiges Fest mit vielen schönen Highlights!

Hallo Einstig-Freunde.
Am Wochenende war es wieder soweit.
Zum vierten Mal nahm Einstig bei der Herbstwanderung des Brauchtum-Vereins Bindersbach e.V. (www.bindersbacher-brauchtum.de) teil.

08.10.2016: Herbstwanderung und Keschdefest in Bindersbach
10.10.2015: Herbstwanderung in Bindersbach
11.10.2014:  Keschdewanderung in Bindersbach/Annweiler

  
Schon bei den letzten Wanderungen lernten wir Interessantes über den Pfälzer Wald und seine Geschichte kennen. Wir genossen schöne Aussichten und sammelten unterwegs Kastanien (oder "Keschde", wie es in der Gegend um Bindersbach heißt). Im Anschluss luden ein Lagerfeuer, neuer Wein und frisch geröstete Keschde noch zum Verweilen im Örtchen Bindersbach ein.
 
Bevor ich Euch von der diesjährigen Wanderung erzähle, möchte ich Euch kurz in die Geschichte des Örtchens Bindersbach entführen.
2006 feierte Bindersbach sein 700-jähriges Bestehen. Somit ist der kleine "364 Seelen"-Ort (Stand Januar 2017) bei Annweiler am Trifels älter als Karlsruhe, welches 2005 erst sein 300-jähriges Bestehen feiern konnte.
Das älteste Schriftsstück, welches den Ortsnamen "Bendersbach" erwähnt, ist von 1306. Die Schreibweise und Aussprache des Ortsnamen änderte sich im Laufe der Zeit noch einige Male, wie Ihr auch gleich im Folgenden lesen werdet.

Bindersbach war im Laufe der Geschichte einige Jahre auch gänzlich unbewohnt, um nicht zu sagen ausgestorben. 1622, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg standen die 5 Häuser von  "Bintersbach" (wie es damals hieß) leer. Erst nach 1670 ließen sich wieder ein paar wenige Menschen im Dorf nieder.
"Pintersbach" (so hieß der Ort 1709) war auch eine zeit lang "herrenlos" (also in niemandes Besitz).
Da merkt Ihr schon, wie "unwichtig" das kleine Dörfchen war. Und so könnt Ihr Euch auch sicher denken, dass in so einem kleinen Dorf ganz andere Dinge für "große Schlagzeilen und Aufregung" sorgen, als in Großstädten.
Hier mal einige der wichtigsten Ereignisse des Dorfes:

- 1812: Einen Kirchturm als Unterkunft für die Bindersbacher Glocke gab es noch nie in diesem Dorf, wohl aber wurde 1807 ein Schulhaus mit einem Glockenturm gebaut, worin sie als „Schulglocke“ im Jahre 1812 ihren Platz fand. Noch heute kann man diese Glocke pünktlich um 12 Uhr zur Mittagszeit und u. 18 Uhr zum Abendruf schlagen hören.

- 1923: Die Beleuchtung von Bindersbach erfährt durch die Einführung des elektrischen Lichts eine riesige Verbesserung.

- 1954: Der erste Fernseher im Dorf war sogar einen Zeitungsbericht wert:
Mehr zu der Geschichte des Dorfes könnt Ihr auf der Homepage www.bindersbach.de nachlesen!

Ein Blick von der Reichsburg Trifels herab zeigt, wie sich das kleine Dorf mitten in ein Tal des Pfälzer Waldes einschmiegt. Keine Industrie stört diese Idylle welche gerade einmal 144 Häuser zählt. Das Klima, die Ruhe und die Lage scheinen so ideal zu sein, dass die älteste Bewohnerin von Bindersbach im Sommer ihren 92. Geburtstag feiern konnte.  Und dabei ist die Dame noch so rüstig, dass sie sich, ihr Haus, Garten und Hühner selbst versorgen kann.

Doch zurück in die Gegenwart.
Das Herbst-Fest 2017 stand an. Und wie jedes Jahr stand die Wanderung (und der Vortrag am Tag vor dem Fest) unter einem Thema. Dieses Jahr lautete es: "Hexenverfolgung in der Südpfalz".




Entsprechend führte uns die diesjährige Wanderung auch zum "Hexentanzplatz" bei Bindersbach. Gèrard Salmon (1. Vorsitzender des Brauchtum Vereines und langjähriges Mitglied von Einstig) führte die Wanderung an. Wie gewohnt war sie bis ins Detail vorbereitet,  und so legten wir unsere Wanderseelen vertrauensvoll in seine Hände.


Die letzten Jahre war das Wetter nicht gnädig mit uns gewesen.

 

Dieses Jahr sollte es uns für alles bisherigen Jahre entschädigen. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und frühlingshafte Temperaturen machten die Wanderung zu einem herrlichen Erlebnis.
 
  
Doch nicht nur die warmen Sonnenstrahlen brachten den einen oder anderen von uns ins Schwitzen. Auch die Wegstrecke hatte einige Steigungen und Hindernisse parat, die den Schweiß aus den Poren trieben.

Um 13.30 Uhr trafen wir uns auf dem Bindersbacher Festplatz und sammelten uns zur Wanderung. Es kamen mehr wanderlustige Leute als all die Jahre zuvor. Und so begrüßte Gérard die Menge von einer Bierbank stehend aus und stimmte uns auf die Wanderung ein.
 
  
Dann begann die Wanderung quer durch den Pfälzer Wald. Manche Waldwege waren so schmal, dass wir hintereinander gehen mussten. Und nun könnt Ihr Euch die Schlange vorstellen, die sich bildete, als 40 - 50 Wanderfreudige den Pfälzer Wald erklommen. Entgegenkommende Wanderer stellten sich verdutzt auf die Seite und ließen uns durch. Auch wenn sie es nicht fassen konnten, und manch einer sich kopfschüttelnd fragte, ob denn die Reihe jemals aufhören würde. Andere entgegenkommende Wanderer nahmen es mit viel Humor und begrüßten uns mit Klatschen und Anfeuerungsrufen wie bei einem Marathon.
  
 
Zunächst ging es immer bergau,  und man hörte die fröhlichen Gespräche der Wanderer. Die Stimmung war sehr gut, und so wurde unter Einsatz des eigenen Lebens (einfach mal so stehen bleiben konnte mit so einer Masse im Rücken schon gefährlich werden) auch der eine oder andere Käfer von der Wegstrecke gerettet. Denn bei so vielen Füßen hätten die Käfer sicher nicht die andere Wegseite erreicht.
Dennoch blieb auch Zeit, um die Natur am Wegesrand zu bewundern.
Pilze in allen Formen und Farben, Keschde, bunte Blätter und einfallende Sonnenstrahlen machten die Wanderung zu einem wunderbaren Naturerlebnis.
  
  
 
  
  
Beim ersten Halt an den Sandsteinfelsen wurde die Gelegenheit genutzt, ein Gruppenfoto zu machen.
Nach einem steilen Aufstieg (da wussten wir noch nicht, dass es noch steiler werden würde),kamen wir beim Hexentanzplatz an. Woher der Name kommt, bzw. welche historische Verbindung der Platz wirklich mit Hexen hat, konnte bis heute leider nicht nachgewiesen werden.
  
 
Über den Förleberg (jetzt wurde es richtig anstrengend) ging es weiter zum Wettereck.
Die Aussicht war grandios und wir konnten Dörfer, Städte, Burgen und Felder weit unter uns sehen.
  
  

Mit der Aussicht am Wettereck verabschiedeten wir uns langsam von der Wanderung, denn nun ging es wieder zurück nach Bindersbach.
Zurück ging es über Waldwege, die gerade wegen Forstarbeiten etwas, na nennen wir es mal "nicht so einfach" zu begehen waren.
  
 

Doch uns erwartete noch eine Stärkung während des Rückweges. Der Bindersbacher Brauchtumverein ließ es sich nicht nehmen uns noch mit Brezeln und Getränken für den restlichen Weg zu stärken.

Während der ganzen Wanderung unterhielt uns Gérard mit interessanten Infos zur Gegend. Immer wieder gab es kleine Anekdoten und Geschichten aus der Vergangenheit. So zum Beispiel zu einem in den Stein geritzten Kreuz, welches an einen tödlichen Unfall mit einem Ochsengespann erinnern soll.
Oder zu einem kleinen Bildstsöckchen, das nach der Heilung einer schwer kranken Frau von ihr aus Dankbarkeit aufgestellt wurde.
Aber auch über ein "Ferienhaus" der besonderen Art wusste unser Wanderführer Bescheid. So wird es jetzt noch regelmäßig bewohnt - und das ohne fließendes Wasser und Strom, steil am Berghang ohne Zufahrtsstraße!
Nicht minder interessant war auch die Sage des treuen Minesängers Blondel, dessen Herr König Richard Löwenherz auf dem Trifels gefangen gehalten wurde. Zu dessen Gedenken gibt es heute in Bindersbach noch den Blondelbrunnen.
Außerdem sahen wir den Steinbruch, aus dem mutmaßlich die Steine zum Bau der Reichsburg Trifels abgetragen wurden.
 
  

Wir kehrten glücklich, wenn auch etwas müde, auf dem Festplatz ein. Das Feuer flackerte, und der Essensduft verbreitete sich schon im ganzen Dorf. Auch unsere Mägen knurrten, und so ließen wir uns auf einer der Bänke im schön geschmückten Festzelt nieder.

  

Nachdem unser erster Hunger (und Durst) gestillt war, siedelten wir um auf eine Bierbank direkt am Lagerfeuer, wo die Keschden geröstet wurden.
15 kg Kastanien waren in den Tagen zuvor von Bindersbacher Kindern gesammelt und noch am Morgen des Wandertages in Handarbeit eingeritzt worden.
  

In der ersten Reihe am Lagerfeuer erlebten wir mit, wie die Waldfrüchte langsam vor sich hinrösteten, und der Duft stieg uns in die Nase.
Als die Kastanien verteilt wurden, griffen wir beherzt zu und ließen es uns schmecken. Alle waren sich einig: So gut können die Keschde nur hier am Feuer schmecken!
 
 
 
 
So klang der Abend noch gemütlich aus, und wir fuhren müde wieder zurück nach Karlsruhe.

Wir danken dem Bindersbacher Brauchtum Verein für die perfekte Planung und Ausführung des Festes. Es ist uns jedes Mal eine Freude wiederzukommen. Und wir sind schon gespannt, was uns nächstes Jahr erwarten wird.


Infos/Fotos zu Bindersbach und dieser Wanderung von: www.bindersbach.de  und  Gèrard & Brigitte Salmon