Sonntag, 27. Juli 2014

Von Richard, Thor und dem Regengott: Das Richard-Löwenherz-Fest

Im Juli gibt es für uns alljährlich einen festen Termin, der einfach sein muss: das Richard-Löwenherz-Fest in Annweiler. Der Besuch dieses Mittelaltermarktes ist für uns zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. So fuhren wir auch gestern wieder in den Ort unterhalb der Burg Trifels.


Nachdem wir uns in Schale geworfen – pardon, in Gewandung geworfen hatten, zog es uns jedoch zunächst in den Wald unterhalb der Burg. Es war ja auch erst Vormittag, und die Sandsteinfelsen luden als tolle Kulisse zu einem Fotoshooting ein. Dort trafen wir auch mit dem Rest der „Einstig“-Gruppe zusammen, und gemeinsam ging es über Stock und Stein zu den beeindruckenden Felsen. Diese wurden dann auch eifrig genutzt – wir fotografierten uns vor den Felsen, neben den Felsen, auf den Felsen – nein, unter den Felsen glücklicherweise nicht.  

    

  

 


         

    


Und wofür ist so ein Wald außer als Fotokulisse noch bestens geeignet? Natürlich als Tanzkulisse! Spontan tanzten wir unseren einige Wochenenden zuvor einstudierten historisierenden, mittelalterlichen Tanz, den „Kreuz-Schritt-Schritt-Hüpf-Klatsch-Knicks“. Auch diejenigen, die bei der Probe nicht dabei waren, lernten die Schritte beinahe wie im Schlaf. Nur ein wenig musikalische Begleitung vermissten wir dann doch.

  

Gewandete trifft man in den Pfälzer Wäldern offenbar nicht so häufig an wie Ameisen oder Mistkäfer. Denn die Wanderer, denen wir begegneten, zückten alle, sobald sie uns sahen, eifrig ihre Kameras und Smartphones, oder sprachen uns interessiert an. Auf manche schienen wir keinen so friedlichen Eindruck zu machen, denn ein Kind musste ein anderes beruhigen: „Die tun dir nichts, die sind nur verkleidet.“ Ah ja, gut zu wissen! :-) Nur die Kletterer, die einen der Felsen erklommen, zeigten sich waghalsig an der Felswand hängend gänzlich unbeeindruckt von uns.

  

Nach einiger Zeit machte sich bei den ersten der Hunger bemerkbar. Und da ein Loch im Magen für einen tapferen Ritter einer der schlimmsten Feinde ist, beugten sich die fotowütigen Damen und folgten den Herren zurück zu den motorisierten Pferden. So ließen wir den schattigen Wald hinter uns. Hinab ging es Annweiler, wo wir am Einlass des Richard-Löwenherz-Festes wieder zusammentrafen. Wir ließen es uns so richtig gutgehen und zahlten den Wegezoll, wie auch später einige Leckereien, aus der gemeinsamen Einstig-Kasse. Auf dem Gelände gab es für uns kein Halten mehr: Die Stände mit Speis und Trank wurden sogleich ausgiebig begutachtet. Nachdem jeder etwas nach seinem Geschmack gefunden hatte, aßen wir gemütlich auf dem großen Platz, um anschließend gestärkt einen ersten Rundgang über den Markt anzutreten.

 
Nach einigen Ständen fiel uns jedoch die Markteröffnung ein, und rasch eilten wir zurück zum Platz. Gerade rechtzeitig sahen wir schon den Fanfarenzug der „Trifels-Herolde“ einmarschieren – gefolgt vom Falkner des Trifels mit zwei Eulen und einem Bussard, schottischen Clan-Mitgliedern, Gauklern, Spielleuten wie „Duivelspack“ und den „Irrlichtern“ sowie zahlreichen Edelmännern, Edelfrauen, Mägden, Knechten und Bauernvolk.

 
 
 
 

Nacheinander wurden alle Gruppen vom Herold vorgestellt. Die Fahne, die Gérard als französischer Ritter mit sich trug, schien auf ihn mächtigen Eindruck zu machen, wurden wir doch in seiner Ansprache berücksichtigt und zu unserer Überraschung auch als Gruppe vorgestellt. So verlor er einige Worte über das Verhältnis zwischen Franzosen und Engländern, denn Richard Löwenherz selbst war anwesend – nicht ganz freiwillig, aber immerhin schmeckte ihm das Annweiler Bier. Auch Gott Thor – wie Micha so passend bemerkte – schien ein Wörtchen mitreden zu wollen, denn in dem Moment, als alle die Gaukler bejubelten, gab es einen mächtigen Donnerschlag, der so ziemlich alle Besucher zusammenfahren ließ. Doch noch hielt das Wetter.
 

Und als hätten wir es bei unserem Tanz im Wald geahnt, wurden wir plötzlich vom Herold zum Tanz aufgefordert! Das ließen sich nicht nur wir, sondern auch viele andere Besucher nicht zweimal sagen, sodass es beim Tanzen trotz des großen Platzes beinahe etwas eng wurde – aber nichtsdestrotz war es ein lustiges Erlebnis.

Nun setzten wir unseren Rundgang über den Markt fort. Das Warenangebot war vielfältig, nur einige Stände, die wir in guter Erinnerung hatten, fehlten leider in diesem Jahr, wie z. B. eine Gewandschneiderin oder ein „orientalischer“ Händler mit seinen Leckereien. 

 
 

An der Quaich trafen wir unerwartet auf zwei Überraschungsgäste. Die Freude über ihr Kommen war groß, und auf ihre Anwesenheit sollte angestoßen werden. Doch kaum hatten wir uns mit Drachenbowle und Co. eingedeckt, erwartete uns ein Nass, auf das wir gerne verzichtet hätten. Es begann zu regnen – nein zu schütten. Es goss wie aus Kübeln, weshalb wir rasch unter ein Zeltdach flüchteten. So warteten wir … und warteten … und warteten … Immer wenn wir dachten, der Regen würde nachlassen, wurden wir eines Besseren belehrt. Und kaum streckte eine vorwitzige Dame das zarte Näschen aus dem Zelt hervor, ließ sie ein Donnerschlag zusammenfahren und rasch wieder zur Gruppe flüchten.


Da einige aus unserer Gruppe unter Zeitdruck standen, trotzten zwei Mutige dem Wetter und eilten durch den Regen zum Lager der Herrenlosen, um sich noch einmal die Raubvögel aus der Nähe anzusehen.


Wie begossene Pudel, aber mit schönen Fotos und Erinnerungen kehrten sie unter das Zeltdach zurück, wo die die anderen bereits mit inzwischen nassen Füßen auf sie warteten.  Leider mussten sie dann auch bald darauf schon aufbrechen. Kurz darauf ließ der Regen nach – was sehr schade für sie war, die Stimmung der Übriggebliebenen aber deutlich steigen ließ. Als wäre nichts gewesen, kamen die Sonne wieder hinter den Wolken und die Besucher aus den Zelten hervor. Also hieß es endlich: „Weitergeschaut und das Geldsäckchen gezückt!“ Ein Kalligraphie-Stand hatte es einige von uns besonders angetan. So wurde Easy, die die Regen-Zwangspause im Gegensatz zu den Menschen gemütlich auf Dannys Schoß genießen konnte, auf Schlüsselanhänger gebannt. Und Laudine konnte ihre „Game of Thrones“-Merchandising-Kollektion um zwei individuelle Viserys-Armbänder erweitern.


Die Kultur sollte natürlich auch nicht zu kurz kommen: Die Tanzgruppe trotzte dem rutschigen Holzboden und führte uns Tänze aus Renaissance und Mittelalter vor, wie beispielsweise einen „Balz-Tanz“.

 

 

So viel Schauen macht natürlich … Appetit! Flammkuchen, Dinette und Co. waren selbstverständlich längst wieder vergessen, nun musste etwas Süßes her! Das orientalische Zelt hatten wir aus dem vergangenen Jahr noch in bester Erinnerung. Auf kleinen Hockern konnten wir uns gemütlich davor niederlassen, ließen uns eine Auswahl an orientalischen Köstlichkeiten zusammenstellen und tranken Minz-, Dattel- und Süßholztee, Mokka und Himbeereistee.

  

      

Ganz gemütlich ließen wir so den schönen Tag ausklingen. Viel zu schnell war die Zeit gerannt, und so hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Bis im nächsten Jahr, Annweiler!

 


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