Donnerstag, 16. Oktober 2014

Eine "Keschdewanderung" durch den Pfälzer Wald ... Es muss nicht immer Mittelalter sein - und doch hat es mit Historie zu tun!

Hallo liebe Freunde!

Vom tiefsten Mittelalter in die Tiefen des Pfälzer Waldes - so oder so ähnlich könnte man die letzte Aktivität von Einstig beschreiben. Es muss nicht immer ein historischer Umzug oder ein mittelalterliche Unternehmung sein, denn wir haben auch an anderen Sachen viel Freude.

So war es auch bei der gemeinsamen Wanderung am letzten Wochenende.
Das Dorf Bindersbach und der Bindersbacher Brauchtumverein luden zur "Keschdewanderung" ein, und wir folgten dem Ruf. Für alle unter Euch, die der pfälzischen Sprache nicht ganz so mächtig sind: Keschede = Kastanien (Edel- oder auch Esskastanien, mancherorts auch als Maronen bekannt)!

Romina, Matthias, Finn, Johannes, Christina, Uli, Gerard, Brigitte, Sylvie, Easy, Meggie und ich bildeten die "Einstig"-Vertreter. Hinzu kamen noch viele Einheimische und vertraute Gesichter, welche wir noch von den historischen Umzügen in Dernbach und Gräfenhausen kannten.


Während der Wanderung erfuhren wir ganz nebenbei noch einige historische Infos zu der Gegend, dem Pfälzer Wald und Bindersbach. Womit dann doch wieder die Brücke geschlagen wurde zu "Einstig - von Karlsruhe aus in die Vergangenheit".


Am frühen Nachmittag ging es los. In den Stunden zuvor waren alle damit beschäftigt, immer wieder Richtung Himmel zu schauen, ob denn der Wettergott ein Einsehen mit uns haben würde. Und er hatte es! Pünktlich, als wir uns am Treffpunkt "Kerweplatz" versammelt hatten, hörte es auf zu regnen. Nach einer kurzen Ansprache und Begrüßung durch unseren Wanderführer Gèrard ging es auch schon los.

 


Die ersten Meter durch das Dorf wurden zügig zurückgelegt, die ersten Sehenswürdigkeiten erklärt und einige Grenzsteine mitten im Wald entdeckt. Es gab Informationen zum "Bildstöckel" (eine Frau dankte mit dem Mariendenkmal für ihre Heilung), zur "Himmelsleiter" (einer Legende nach sollen über diesen Waldweg die Toten ins nächste Dorf zur Beerdigung getragen worden sein) und zu den "Krummäckern" (die ihren Namen daher haben, weil die Grenze der einzelnen Äcker ziemlich krumm und kurvig verläuft).


 Die Aussicht auf das Dorf faszinierte jetzt schon die ersten Wanderer.


Doch dann geriet die Wandergruppe ins Stocken. Immer und immer wieder sah man Mitglieder der Gruppe, die sich, statt zu laufen, bückten und mit den Füßen auf dem Boden scharrten. Das konnte nur eines bedeuten: Die Keschdewanderung  machte ihrem Namen alle Ehre. Jeder sammelte mehrere Kilo Kastanien, welche in Ermangelung an Tüten auch kurzerhand in Hundekotbeutel gesteckt wurden. Es fiel jedem schwer, an den glänzenden, braunen "Steinen" vorbeizugehen. Und immer wenn man dachte: "Jetzt reicht es, ich höre auf! Ich habe genug!" fand man ein weiteres Exemplar, welches zu schön war, um es liegen zu lassen.
So kam es, dass schon zu Anfang der 7,1 km langen Wegstrecke die Rucksäcke schwer und schwerer wurden.

    
     

Durch das Sammeln der Keschden und die kurzen Infos zur Gegend verging die 1. Etappe der Wegstrecke wie im Flug. Am "Windhof" hielt Herr Frey, der Historiker von Annweiler, einen kurzen Vortrag über den Ort und seine Vergangenheit. Es war sehr interessant zu erfahren, dass hier früher ein Hof stand und der Begriff "Windhof" nicht vom Wort "Wind" und dem zugigen Wetter abstammte, sondern vom alten Wort für Wiese und Acker.

 

Das Ziel der 2. Etappe, die "Ahlmühle", war nicht weit entfernt. Mit Gummibärchen und witzigen Gesprächen (z. B. über Wandereigenschaften von Großstädtern aus Karlsruhe oder klopfenden Störche) waren wir schneller dort als gedacht.

 


Dann begann noch einmal ein steiler Anstieg. Hatten wir den ersten Aufstieg gar nicht so wirklich wahrgenommen, da das Keschdesammeln im Vordergrund stand, war es dieses Mal unverkennbar: Es geht bergauf im Pfälzer Wald.


Am Wegesrand gab es immer wieder Neues für Mensch und Tier zu entdecken. So bemerkte die Hündin Meggie, wie interessant Kastanienigel sein können, und wir Menschen wunderten uns über die Artenvielfalt der Pilze.

 

Wir erreichten das 3. Etappenziel, und die Sonne kam hervor. Der Slevogtfelsen bot einen herrlichen Blick über den Pfälzer Wald und seine Burgen. Der Trifels und de Münz waren wunderbar zu erkennen, und auch die kleinen Dörfer in den Tälern schauten hervor. Der Slevogtfelsen hat seinen Namen von Max Slevogt, einem berühmten Landschaftsmaler. Es war Zeit für eine kleine Rast: sich stärken, etwas trinken, die Gegend anschauen, Fotos machen oder einen Geocache suchen waren nur einige der Möglichkeiten.

 

Was die wenigsten Wanderer in der heutigen Gruppe wussten: Nun erst begann die eigentliche Arbeit. Der Berg war erst zur Hälfte erklommen. Die zweite Hälfte folgte nun.

 

Doch gemeinsam schafften es mit Motivation und Anfeuerung alle hinauf - und wurden erneut mit einem tollen Ausblick belohnt.

 

Am "Wettereck" angekommen erwartete uns der hiesige Förster Herr Spindler. Er hatte einen kleinen Vortrag vorbereitet und erzählte uns allerhand über den Beruf des Förster im Wandel der Zeit und über den Pfälzer Wald. So diente dieser früher nur den Edelleuten als Jagdort. Er hieß darum "Bannwald", da die normalen Bürger daraus "verbannt" waren und kein Wild jagen durften. Der Förster hatte dies zu überwachen. Außerdem erfuhren wir, dass es dem Pfälzer Wald zurzeit richtig gut gehe und er sich seit den 80er Jahren wieder sehr gut erholt habe.


Das Wettereck hat seinen Namen übrigens von einem Baum, der hier steht. Anhand seiner Äste kann man sehen, "aus welcher Richtung das Wetter kommt" bzw. aus welcher Richtung häufig der Wind bläst und somit das Wachstum der Äste verhindert.


Der Vortrag war sehr kurzweilig, und auch für Fragen nahm sich der Förster Zeit. So kam unter anderem (die nicht ganz ernst gemeinte) Frage auf, wie denn eine Tomatenpflanze hier am Wettereck wachsen könne und woher die wohl komme!

 

Die Zeit schritt voran, und der Abstieg stand an. Zurück zur Ahlmühle ging es in großen Schritten, denn manch einer wusste schon, dass dort eine Stärkung auf uns wartete. Der Bindersbacher Brauchtumverein hatte für seine Gäste gesorgt und in den tiefsten Wald Getränke und Brötchen gefahren. Dankend nahmen wir die Stärkung an und langten beherzt zu!


Leider neigte sich nun die Wanderung dem Ende zu. Immer bergab ging es zurück Richtung Bindersbach. Der Trifels trohnte über unserer Wandergruppe.


Im Dorf angekommen sah man das Feuer schon flackern. Und beim Näherkommen stieg uns der Duft von gerösteten Kastanien, Kastanienbratwurst, Neuem Wein und Zwiebelkuchen in die Nase. Das aufgebaute Zelt mit den Bänken sorgte für eine kleine Volksfeststimmung, und so ließen wir uns nieder und streckten die Füße unter den Bänken aus.
Der Keschdetopf wurde herumgereicht, und jeder durfte kostenlos zugreifen. Bald schon sammelten sich die Kastanienschalen auf den Tischen.

 
 

Wir redeten noch lange, und es wurde schon dunkel, als wir uns langsam trennten und jeder wieder seiner Wege gehen musste. Manche hatten noch einen längeren Heimweg vor sich, andere überlegten, ob sie noch ein Nacht-Geo-Caching einlegen sollten. Letztlich siegte die Müdigkeit (und evtl. auch das Wissen um Wildschweine, die sehr aktiv in der Gegend sind), und der Heimweg stand an!

Es war eine tolle Wanderung mit sehr netten Leuten und einer super Stimmung. Der Gesprächsstoff ging nie aus, und wahrscheinlich wären wir noch einmal 7 km marschiert, ohne es zu merken. Aber man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, und wiederkommen, wenn die Sehnsucht ruft!

Sylvie hat einen kleinen Videoclip von unserer Wanderung zusammengeschnitten. Um ihn in voller Größe zu sehen, einfach drauf klicken. Ihr werdet dann zu Youtube weitergeleitet!



Wer die Tour noch einmal auf einer Karte nachverfolgen möchte - mit vielen weiteren Fotos - kann dies gerne hier tun (bitte klicken). Dort sind auch viele zusätzliche Angaben zu Höhenmetern und Steigungen aufgeführt.

Und auch der Hinweis auf die nächsten anstehenden Aktivitäten von Einstig darf nicht fehlen. Wer Lust hat, ist jederzeit herzlich eingeladen, dabei zu sein. Für mehr Infos einfach auf die Aktivität klicken! Wir freuen uns sehr, neue und alte Gesichter begrüßen zu dürfen beim:
07.11.14: Kräuterseife herstellen
15.11.14: Erste-Hilfe-Kurs - Karlsruhe
22.11.14: Tonen - Gegenstände aus Ton herstellen


Ein kleiner Hinweis noch: Viele der Wanderziele und Orte sind in diesem Beitrag zu externen Seiten verlinkt. Dies dient dazu, Euch weitere Infos zu geben. Es lohnt sich, auf die farbigen Wörter zu klicken. Dennoch übernehmen wir keine Haftung für den Inhalt und die Richtigkeit der verlinkten Seiten.


In diesem Sinne, eine wunderbare Restwoche und einen goldenen Herbst!







Kommentare:

  1. Liest sich wie "das Märchen von der wunderschönen Herbst-Wanderung des Bindersbacher Brauchtumvereins"! Dankeschön Dani

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  2. schäää und toll geschrieben und viele schöne Bilder

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