Sonntag, 22. März 2015

Freud und Leid des FAHRENDEN Einstig-Völkchens

Eigentlich sollte dieser Beitrag ganz anders beginnen … Von einer wunderbaren Kulisse für einen Mittelaltermarkt sollte die Rede sein … von alten Bäumen, weitläufigen Wiesen und den ersten Frühlingsblumen … Denn das war die ungefähre Vorstellung, die ich vom Mittelaltermarkt im Herzogenriedpark in Mannheim hatte. Das einzige, was hier wirklich blühte, war aber ganz offensichtlich meine Fantasie. Aber von Beginn an …

Gestern betraten wir Neuland, als wir uns in Richtung Mittelaltermarkt im Herzogenriedpark aufmachten. Während wir ins Auto stiegen, fiel der Satz: „Ach, ist doch gar nicht so kalt. Vielleicht haben wir doch zu viele Schichten übereinander gezogen.“ Daran sollten wir uns später noch erinnern …
Wir alle kannten bisher weder den Park noch den Markt – und somit auch nicht den Weg dorthin. Bis Mannheim – natürlich kein Problem! Aber dann … Trotz Navi, Atlas und ADAC-Anfahrtsbeschreibung verfuhren wir uns. Schuld waren Baustellen, fehlende Straßenschilder und – besonders ärgerlich – die fehlende Beschilderung zum Park. Offensichtlich soll der Herzogenriedpark ein Geheimtipp oder nur den Mannheimern vorbehalten bleiben. Vielleicht liegt auch eine magische Käseglocke darüber und verhindert das Eindringen vorwitziger Fremdlinge. ;-) Selbst die entspanntesten Waldschleicherinnen, Targaryens und Holzsammlerinnen wurden nun leicht nervös. Aber wie durch ein Wunder fanden wir uns plötzlich auf dem richtigen Weg wieder – nur um ihn zwei Minuten später wieder zu verlieren. Wir mutmaßten bereits, dass man in einigen Jahren unsere eingestaubten Skelette finden würde, verzweifelt Straßenkarte und Navi umklammernd – aber da: Fahnen! Wir waren tatsächlich da! Und wir waren nicht die einzigen. Der riesige Parkplatz war schon unglaublich gut gefüllt. 

Mit den Nerven am Ende („Ich brauch jetzt erst mal einen Schluck Apfelschorle!“ ;-)) gingen wir zum Haupteingang. Mhm, hatten wir noch vor einer Stunde tatsächlich gesagt, dass es gar nicht so kalt sei? Es WAR kalt, und zwar eisbitterkalt. Der kräftige Wind tat sein Übriges. Schon jetzt zitternd zahlten wir unsere sehr besucherfreundlichen drei Euro Eintritt. Der Eindruck vom Parkplatz hatte nicht getäuscht: Menschenmassen, wie wir sie noch auf keinem Mittelaltermarkt erlebt hatten. Kurz gestaunt, und dann erst einmal einen Überblick verschaffen – was sich bei der großen Anzahl an Ständen als nicht so einfach erwies. Die Auswahl an Waren war vielfältig und alles andere als das „Übliche“, was man sonst so häufig sieht. Ein beeindruckendes Angebot an individueller, handgenähter Kleidung und Kopfbedeckungen, Schmuck, Dekoartikeln, Waffen, Papierwaren und, und, und … 

    

     
 
So ließen wir uns treiben, bis unser Magen „Jetzt reicht’s!“ rief. Auch das Angebot an Speisen war überraschend vielfältig. Wir entschieden uns nicht für die „zahme Sau“, sondern für Falafel und Reispfanne – ein leckeres, aber für die Temperaturen vielleicht nicht unbedingt geeignetes, da nicht wirklich warmes Gericht. 

 

Inzwischen waren wir so durchgefroren, dass selbst das Schuhe binden mit den klammen Fingern zur Herausforderung wurde. Also musste etwas wirklich Warmes her! So machten wir uns auf die Suche nach einem Heißgetränk, versuchten es mit warmem Apfelsaft und genossen Crepes. 

  

Die Wirkung des warmen Getränks war leider nur von kurzer Dauer. Dafür konnte einem beim Anblick eines kleinen Zeitgenossen ganz warm ums Herz werden. „Oooh, wie süß!“ „Niedlich!“ „Schau mal, wie putzig!“ Solche Verzückungsrufe rief ER hervor: Sir Odin! 

 

Der kleine Kauz eroberte die Herzen im Sturm. Allerdings waren wir sehr, sehr, froh, dass wir vor, und nicht hinter dem kleinen Kerl standen. Denn aus so einem kleinen Wesen kommt hinten in hohem Bogen erstaunlich viel heraus. So wurde nur ein Kinderwagen, keine Gewandung eingesaut. :-)



Satt, wenn auch nicht gewärmt, hieß es nun: Auf zur zweiten Runde über den Markt, um vielleicht das eine oder andere zu kaufen. 

 
 
   

Lady Targaryen hatte nur Augen für geflügelte, feuerspeiende Wesen und freute sich über die Nachfrage einer Verkäuferin, dass das doch das Targaryen-Wappen auf ihrem Kleid sei. 
Die Waldschleicherin dagegen dachte praktisch: Im Juni planen wir ein Mittelalter-/Fantasy-Picknick am Lagerfeuer - und das muss man doch stilecht entzünden. Also machten wir uns auf zum Stand für „historische Feuerzeuge“. 

 

Nachdem Dani sich schon beim ersten Versuch als Naturtalent im Feuermachen erwies, entschied sie sich für Feuerstein und Feuerstab im passenden Säckchen für's Waldschleicher-Kostüm. 


 

Sylvie dagegen spielte Aschenputtel  - und der Schuh passte perfekt:


Nachdem sie schon einige Male um den Stand mit den Filzpantoffeln herumgeschlichen war, probierte sie doch ein Paar. So wechselten gepunktete Erdbeer-Hausschuhe den Besitzer.


 

Und dann? Wäre es wärmer gewesen, hätten wir uns nun irgendwo niedergelassen und ein wenig dem Treiben zugesehen. Gewandete zum „Kostüme gucken“ gab es in einer solchen Hülle und Fülle, wie wir sie auf einem Markt noch nie gesehen hatten. Von authentisch bis Fantasy, von schlicht bis kreativ war alles vertreten. Die Suche nach einem Ort, an dem man sich gemütlich hätte niederlassen können, wäre aber nicht einfach gewesen. Denn der Markt war nicht, wie die Park-Kulisse vermuten lässt, auf weitläufigen Wiesen aufgebaut, sondern auf dem gepflasterten und betonierten Bereich rund um den Eingang. Die Wege zwischen den Ständen waren für die Menschenmassen zu eng, und es gab keine Möglichkeit, etwas abseits des Trubels zu verweilen. So entschieden wir uns durchgefroren, den Heimweg anzutreten. Seltsamerweise fanden wir aus Mannheim viel schneller heraus als hinein. Also fragt uns nie nach dem Weg zum Herzogenriedpark! ;-)

Unser Fazit: Die Kälte und die Menschenmengen ließen eher Weihnachtsmarkt-Feeling aufkommen. Ist die Stimmung dort aber meist besinnlich und heimelig, war sie hier eher nüchtern und ernst. Ein wenig mehr Programm wäre ebenso schön gewesen wie breitere Wege und eine größere Einbindung der Parklandschaft. Aber wie man auf den Bildern sehen kann: Unserer guten Stimmung hat nichts etwas anhaben können, wir hatten einen sehr schönen Einstig-Tag!

Wer den Mittelaltermarkt im Herzogenriedpark in bewegten Bildern sehen möchte, kann sich hier an unserem Youtube Video erfreuen. Mit einem Klick auf das Video gelangt Ihr direkt zu Youtube und könnt den Clip in HD und größer anschauen.


Und wer mitverfolgen möchte, wie sich Dani während unseres Lagerfeuer-Picknicks beim Benutzen des Feuerstabs schlägt, kommt im Juni einfach mit nach Bindersbach!

1 Kommentar:

  1. Welch ein schöner Bericht, Dani. Beim Lesen entstehen die Bilder direkt vor Augen, man fühlt sich mittendrin! Freu mich aufs Video

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