Sonntag, 19. April 2015

Jetzt wird es majestätisch - zu Besuch im Schloss Karlsruhe


Willkommen liebe Einstig-Freunde!

Starten wir den heutigen Blogbeitrag doch einmal mit einem kleinen Rätsel.

1. Ab wann wurde das Schloss Karlsruhe erbaut?
A) 1601
B) 1715
C) 1820

2. Unter welchem Herrscher wurde das Schloss erbaut?
A) Marie-Alexandra, Prinzessin von Baden
B) Karl-Willhelm von Baden-Durlach
C) Großherzog Friedrich I. von Baden und Württemberg

3. In welchem Stil wurden das Schloss und der Schlossgarten angelegt?
A) Romanik
B) Barock
C) Jugendstil

4. Was befindet sich zur Zeit in den Räumen des Schlosses?
A) Deutsche Bäckerinnung & Zentrum für Kunst und Kultur
B) Badisches Landesmuseum & Teile des Bundesverfassungsgerichts
C) Historisches Stadtarchiv Karlsruhe & Privaträume der Nachfahren von Baden

5. Wie hoch ist der Turm des Schlosses?
A) 20 Meter
B) 51 Meter
C) 85 Meter

6. Wie teuer ist der Eintrittspreis in das Schloss Karlsruhe für eine erwachsene Person?
A) 2,50 Euro
B) 4,00 Euro
C) 9,80 Euro

7. Welches Schicksal ereilte das Schloss während des 2. Weltkrieges?
A) Es wurde von Karlsruher Bürgern geplündert  - viele Schätze gingen damals verloren und sind bis heute nicht wieder auffindbar
B) Es brannte völlig aus - danach wurden die Räume nicht wieder originalgetreu aufgebaut, sondern angepasst an den jetzigen Bestimmungszweck
C) Es wurde von den Bombenangriffen verschont - aufgrund dieses Wunders diente es der Kirche als Wallfahrtsort


Auflösung: immer Antwort B ist richtig
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Karlsruhe

So, und schon hat der Leser Einiges über unser Ziel erfahren, welches wir am Samstag mit "Einstig" besuchten: Das Schloss Karlsruhe, in dem sich das "Badische Landesmuseum" befindet.


Nachdem zwei vorherige Termine abgesagt werden mussten, glückte nun der dritte Versuch. Und wir waren uns nach dem Besuch einig: Es hat sich mehr als gelohnt!
Wir verbrachten drei Stunden im Museum und hätten sicher noch länger verweilen können. Aber irgendwann war der Kopf voll, die Bilder vor den Augen schwirrten und der Bauch war leer. 
Eine Flut an Infos, Ausstellungsstücken und Erlebnissen stürmte auf uns ein - und jeder, der behauptet, ein Museumsbesuch wäre langweilig, der wird in Karlsruhe eines Besseren belehrt! Erlebte Geschichte stand auf dem Programm: von der Ur- und Frühgeschichte bis ins Heute.

Um kurz nach 11Uhr trafen die Einstig-Leute vor dem Schloss in Karlsruhe zusammen. Schon von Weitem bot das Schloss im Sonnenschein vor strahlend blauem Himmel ein tolles Fotomotiv. Die weißen Figuren im Schlosspark strahlten mit den goldenen Balkonverzierungen des Schlosses um die Wette.

   
 

Der  Eintrittspreis war schnell bezahlt - und auch die Frage, ob man Fotos machen dürfte, wurde geklärt: "Ja - aber ohne Blitz!"
Diese Aussage möchte ich auch gleich zum Anlass nehmen, um Folgendes los zu werden: die (meist schlechte) Qualität der Fotos und des Videoclips sind durch mangelnde Lichtverhältnisse und spiegelnde Glasvitrinen  entstanden. Dennoch ist es sehr erfreulich, dass es überhaupt erlaubt war eine Kamera mitzunehmen!
Was allerdings strengstens verboten ist: einen Rucksack auf dem Rücken zu tragen. Nur kleine Handtaschen sind während des Museumsbesuchs erlaubt.

Auf der Homepage des "Badischen Landesmuseums" (http://www.landesmuseum.de/website/Deutsch/Museum.htm) ist folgender Satz zu finden:
Mit seinen weltweit bedeutenden Sammlungen präsentiert es Kunst und historische Lebenswelten von der Ur- und Frühgeschichte über antike Kulturen, das Mittelalter und die Barockzeit bis ins 21. Jahrhundert.
Seinem Leitspruch "Im Mittelpunkt der Mensch" sieht sich das Museum verpflichtet, indem es seine Sammlungen und Wechselausstellungen in einprägsamen Inszenierungen präsentiert.
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen!

Starten wir den Rundgang durch das Schloss.

 

Erdgeschoss:
Antike Kulturen des Mittelmeerraumes I und II: Exponate der Alten, griechischen, ägyptischen und römischen Kulturen; Etrusker, Unteritalien und Sizilien; Einrichtungsgegenstände römischer Villen; Frühchristlich-byzantinische Objekte. (http://de.wikipedia.org/wiki/Badisches_Landesmuseum)

Schon der erste Raum, den wir betraten, ließ uns staunen.Viele Keramiken und Figürchen konnten wir hier bewundern. Vasen, fast so groß wie wir. Kunstwerke so filigran wie mit einem Laser ausgeschnitten. Eine ägyptische Mumie lag in ihrem Sarkophag, als wäre sie gerade erst einbalsamiert worden. Manche Farben auf Stoffen und Gefäßen wirkten wie frisch aufgetragen, so gut erhalten waren teilweise die Ausstellungsstücke.


Untergeschoss: 
Ur- und Frühgeschichte: Gefäße, Waffen, Werkzeuge, Schmuck von den Anfängen der Menschheit bis ins Frühmittelalter.
Geschichte der Römer am Oberrhein: Römische Kultur und Lebensart am Oberrhein; Mithras-Relief und Keller einer römischen Villa.(http://de.wikipedia.org/wiki/Badisches_Landesmuseum)

Eine Treppe führte uns tiefer in die Vergangenheit und in das Untergeschoss des Museums. Wir hatten die Ur- und Frühgeschichte erreicht. Es faszinierte uns, mit welchen einfachen Mitteln die Menschen damals ihr Handwerk betrieben. Wir erfuhren von Hügelgräbern und Höhlen bei Hegau, welche zum Teil noch heute sichtbar sind. Modelle von ganzen Landstrichen zeigten, wie ein Dorf damals ausgesehen hat.
Durchquerte man den Raum der  Frühgeschichte, gelangte man zu den Göttern. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Wir kamen zu den römischen Gottheiten, und auch der Keller eines römischen Gutshofes war rekonstruiert. Sogar damalige Rezepte konnte man nachlesen. Und was soll ich sagen? Ich denke, wir werden das eine oder andere mal nachkochen. Die Zutaten gibt es noch heute, und es hört sich richtig lecker an.

 
 
 
 
1. Obergeschoss: 
Spätmittelalter: Stände im Mittelalter (Adlige, Bürger und Bauern).
Renaissance und Frühbarock: Von der Reformation bis zu den Erbfolgekriegen; Skulpturen.
Absolutismus und Aufklärung: In den Jahren 1689 – 1789; Reformation und Gegenreformation; Porzellan, Möbelmanufaktur von Abraham Roentgen und David Roentgen.
Schloss und Hof Karlsruhe: Baugeschichte des Schlosses, Straßensystem; Bildnisse der 1715 bis 1918 regierenden Fürsten des Hauses Baden; Insignien; Geschenke an das Haus Baden.
Kunst- und Wunderkammer, Waffenkammer: In der Wunderkammer befinden sich Kuriositäten aus aller Welt. In der Waffenkammer sind Hieb-, Stich- und Feuerwaffen ausgestellt.
„Sogenannte Türkenbeute“: Ausstattungen aus der Zeit der Türkenkriege; Waffen, Reit- und Rüstzeug.(http://de.wikipedia.org/wiki/Badisches_Landesmuseum)

Jetzt war es an der Zeit, die Stufen der Zeit wieder aufwärts zu gehen. Es folgte die Schlossetage mit den meisten Ausstellungsbereichen.
Das Spätmittelalter mit seinen Burgen und kirchlichen Skulpturen wurde uns verdeutlicht, aber auch die Renaissance und das Frühbarock. Es folgte ein Steilflug durch Epochen und Jahrhunderte.
 Mit welchen Werkzeugen und Farben wurden die Heiligenfiguren bemalt? Wie lebten die Menschen früher ihren Glauben? Wie wurde er dargestellt? Wie sah das Handwerk zu der damaligen Zeit aus?
Welche Schwerter, Armbrüste und andere Waffen nutzten sie damals? Was ist die Türkenbeute? Wie waren Räume im frühen Barock eingerichtet? Welches Geschirr wurde benutzt? Wie sah das Karlsruher Schloss früher aus? Und wer lebte dort?
Der Thronsaal mit seinen gewaltigen Aufbauten verschlug uns fast die Sprache. Rote, schwere Vorhänge, die wertvolle Krone, Schwert und Zepter ... Ein wahrlich majestätischer Anblick!
Außerdem führte eine Treppe hinauf  - hinauf auf den Schlossturm. Das Erklimmen des 51 Meter hohen Turmes erforderte schon etwas Mut. Aber der Ausblick entlohnte die ganze Mühe. Der Blick über Karlsruhe war bemerkenswert. Das gute und klare Wetter ließ weit bis in den Pfälzer Wald und den Schwarzwald blicken. Ja, sogar die Burg Trifels bei Annweiler wurde mit scharfem Auge erkannt! Manch einer fand gar sein Wohnhaus wieder, der nächste entdeckte das Stadion und wieder ein anderer die großherzogliche Grabkapelle. Aber auch der neu aufgebaute Pavillion zur 300-Jahr-Feier von Karlsruhe in diesem Sommer ließ sich in voller Pracht bewundern.

 
 
 
 
 
 
 
  

 
2. Obergeschoss:
Weltkultur/Global Culture: Thema ist die gegenseitige Beeinflussung der europäischen und außereuropäischen Kulturen und die Rolle der Vermittlerkulturen. Kooperationen bestehen mit Museen in Tunesien, Algerien, Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich.
Baden und Europa (1789 bis heute): In der Dauerausstellung werden Schaustücke zur Geschichte Badens aus der Zeit von 1789 bis heute, u. a. zu Napoleon, Großherzog Karl Friedrich, Revolutionär Friedrich Hecker, gezeigt.

Nachdem wir vom Turm wieder herabgestiegen waren, näherten wir uns dem Ende. Es war nur noch eine Etage zu "bewältigen". Auch wenn wir schon ziemlich müde, um nicht zu sagen "reizüberflutet" waren, wollten wir uns das zweite Obergeschoss nicht entgehen lassen. Waren wir doch ganz gespannt, was uns nach so viel Geschichte nun in der "Neuzeit" begrüßen würde!
Zugegeben, mit der "Global Culture"-Ausstellung taten wir uns schwer. Wir bemühten uns trotzdem, und es gelang uns sogar den einen oder anderen Zusammenhang zwischen Vogelnest und Vogelvideo zu ziehen. Ebenso verstanden wir die Idee des globalen Schreibtisches (Papier aus China, Tinte aus der Türkei, Laptop aus Japan ...). Die Wäscheleine und das Jugendbett weckten Alltagserinnerungen. Dennoch beschlossen wir recht bald in die Nebenausstellung zu wechseln.
Die Ausstellungsstücke der  Revolution und Baden und Europa von 1789 bis heute ließen unser Herz dann wieder schneller schlagen. Vielleicht lag der schnellere Herzschlag aber auch am Rhythmus aus der Jukebox. Denn wer kann einem Rock 'n' Roll wiederstehen? Sogar in einem Museum  verleitet dieser zum Tanzen. Jazz aus einem Grammophon hören, kein Problem! Ein Bonanza-Fahrrad bewundern, auch das war hier möglich! "Die Schwarzwaldklinkik" traf auf "Die Fallers", und eine Vespa sorgte für das Flair der jüngeren Vergangenheit. Einige Exponate riefen Erinnerungen wach, und so konnte man schon bald durch die Räume hören: "Das habe ich meine Mama mal geschenkt!", "So was hatten wir auch mal!" oder auch ein klagendes "Warum habe ich damals alles weggeworfen?".

 

Somit waren wir am Ende der Ausstellungsräume angelangt!

In den einzelnen Abteilungen des Museums gab es immer wieder tolle Aktionen, die zum Mitmachen und Ausprobieren anregten. So wurde die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes "begreifbar".
Mal durften wir es uns, wie die Römer, auf einer Liege bequem machen, ein anderes Mal stiegen wir in eine der ersten Züge ein und lauschten einer Diskussion über die Vorzüge der Postkutsche versus des "Eisernes Rosses".
Wir probierten Salben und Parfums der Antike aus, drehten Teller herum, um so zu erfahren aus welchem Material sie sind, nutzten kleine Verschnaufspausen um Spiele aus längst vergangener Zeit zu spielen oder um es uns auf einem Lager aus Teppichen und Kissen bequem zu machen. Wir erfuhren am eigenem Leib, dass es gar nicht so einfach ist, ohne Bohrmaschine Löcher in Steine zu bohren. Erfolgreich fanden wir Geheimfächer in Truhen und telefonierten mit einem Hotel, welches unsere Reservierung bestätigte. Nur der Versuch, nach dem Hausdiener zu klingeln, wurde nicht von Erfolg gekrönt, der Bursche trieb sich sicher wieder mit der Magd im Stall herum.

   
 
 
   

In vielen Abteilungen gab es Mode und Gewänder der jeweiligen Epochen zu sehen. Diese faszinierten uns sehr. Wie sich die Zeiten doch änderten. Aus langen Roben, in denen man mithilfe eines Korsetts eingeschnürt wurde (und so die Wespentaille höchstens so dick wie mein Oberschenkel war; was man auch nachmessen konnte im Museum), wurden kurze Röcke, die im Sitzen unweigerlich viele Blicke auf sich zogen. Heutige Knöpfe ersetzten die Gewandnadeln von früher. Die Hofrobe von Großherzogin Luise von Baden aus dem Jahr 1856 versetzte uns ebenso ins Staunen wie die Schmuckstücke aus der Antike. Die Ohrringe wären noch heute modern und tragbar.

 

Zum Schluss möchte ich einfach noch ein paar Fotos von Ausstellungsstücken posten, welche ich bisher in diesem Beitrag nicht unterbringen konnte. Sie stellen einen bunten Zusammenschnitt an Exponaten da, welche zu besichtigen waren. Sie sind in keiner chronologischen Reihenfolge wiedergegeben. Die Fotos sollen nur die Vielfalt der Ausstellung verdeutlichen.

 

Es entstanden noch viel mehr Fotos von unserem Museumsausflug. Diese hier alle zu posten würde den Rahmen sprengen. Wer mehr sehen möchte, klickt einfach >> hier << und wird zu unserem Forumsarchiv weitergeleitet.

Die drei Stunden im Museum gingen wie in einer Zeitmaschine vorbei. Das Geld für die Eintrittskarten ist es mehr als wert, einmal in das Karlsruher Schloss zu gehen. Also, falls Ihr mal in der Gegend seid, und Zeit - viel Zeit - habt, schaut vorbei!

Apropos ... Sprach ich vorhin nicht von "lebendiger Geschichte"? In unserem Videoclip, den Sylvie für Euch gedreht und geschnitten hat, ist der Tag gestern  noch einmal sehr lebendig zusammen gefasst!
Wer den Clip in besserer Qualität sehen möchte, klickt einfach auf die weiße Überschrift und gelangt direkt zu Youtube!



Einstig hat nun (leider) drei Wochen "Pause"! Aber der Mai kommt schnell, und die nächsten Aktivitäten sind schon geplant!
10.10.2015: Herbstwanderung, Bindersbach
16.07.2016: Mittelaltermarkt Germares, Germersheim

Ich freue mich auf die nächsten Zeitreisen!



Vielen Dank Pim für dieses schöne Foto!
Wer mehr Fotos von Pim sehen möchte, >>hier<< klicken! Es lohnt sich!

1 Kommentar:

  1. Ein wahnsinnig interessanter Museumsbesuch! Eine riesige Zeitspanne wird mit unheimlich vielen Exponaten abgedeckt! Unbeschreiblich - das muss man selbst erleben!

    Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!
    Erstaunlich: der moderate Eintrittspreis.

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