Sonntag, 12. Juli 2015

Viele Jahrtausende, mehrere Dörfer, drei Städte und ein See


Nachdem wir im Frühjahr eine Tour nach Meersburg gemacht hatten, stand für uns sehr schnell fest, diese Fahrt zu wiederholen – Ausflugsziele gibt es am Bodensee schließlich genug. Nach unserer Erkundung der Meersburg sollten wir diesmal in der Zeit noch viel weiter zurückreisen: in die Steinzeit, und zwar im Pflahlbaumuseum Unteruhldingen. Denkt man beim Begriff „Museum“ an Schaukästen und Ausstellungsstücke hinter Glas, liegt man hier ziemlich falsch. Das Thema „Leben in der Stein- und Bronzezeit“ wird auf lebendigere Weise präsentiert, denn hier stehent im Bodensee die Nachbauten mehrerer Pfahldörfer. Man kann sozusagen mitten durch die Geschichte hindurchlaufen. Die zum Teil mit Figuren und Gegenständen „belebten" Häuser zeigen, wie die Menschen damals am Bodensee gelebt haben.

Zunächst mussten wir den Bodensee aber erst einmal erreichen. Nach einem Zwischenstopp mit gemütlichem Frühstück empfing uns der Bodensee mit herrlichem Wetter. Unser erstes Ziel war natürlich das Pfahlbaumuseum. Es wurde vor über 90 Jahren nicht ohne Grund an genau dieser Stelle im Bodensee errichtet: Dort fand man die Reste einer historischen Pfahlbausiedlung, die auch zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

 

Leider darf man in den Häusern nicht fotografieren, weshalb wir hier nur Bilder der Bauten von außen zeigen können. Das Museum besteht aus zwei Bereichen: Aus dem Eingangsbereich, in dem Originalfunde und eine Multimedia-Show gezeigt werden und den Pfahlbauten im Bodensee.

   
 
 

Die Nachbauten bilden stein- und bronzezeitliche Dörfer aus verschiedenenen Regionen ab und sehen damit auch recht unterschiedlich aus. Wir begannen unsere Tour bei den bronzezeitlichen Häusern, die etwa um 1050 v. Chr. entstanden, und in denen das Handwerk des Töpferns und des Bronzegießens vorgestellt werden.

 
    

Über die knarrenden Holzstege ging es zu den bereits 1922 errichteten - und damit den ältesten - Nachbauten. Die Häuser stellen Pfahlbauten um 4000 v. Chr. dar.
 

Und wieder einige Jahrtausende vorwärts in der Zeit: Nun erreichten wir die mit sehr schönen Schnitzereien verzierten Häuser, die an ebendieser Stelle um 975 v. Chr. in Unteruhldingen gestanden hatten. Die damalige Siedlung am Bodenseeufer umfasste ca. 80 Häuser. Lebensgroße Figuren stellen Alltagsszenen in Haus und Stall oder auch Zeremonien wie eine Bestattung dar. Gerne hätten wir hier noch mehr über die Kleidung der Menschen erfahren, da uns die Gewandung der Puppen manchmal an die der Inkas und anderen Kulturen erinnerte. Aber wir erfuhren auch, dass vieles nur eine Interpretation der damaligen Lebensweise ist, da es keine schriftlichen Zeugnisse gibt, auf die sich die Forscher stützen können.

  
 

 

Und nachdem wir schon ordentlich durch die Zeiten gesprungen waren, machten wir damit munter weiter: Die nächsten Häuser zeigten, wie die Bauern am Bodensee um 3500 v. Chr. lebten. Auch hier erfuhr man wieder so Manches über die Handwerkstechniken der damaligen Zeit. Einige der Häuser konnte man nur im Rahmen einer Führung betreten. Da wir die Anlage aber lieber auf eigene Faust erkundeten, blieb uns deren Inneres verborgen. Aber uns reichte das, was wir sahen, vollkommen aus.

 
 
 

Der Steg führte uns nun ein Stück weg vom See ins Unterholz. Dort sind einige Häuser einer SWR-Produktion von 2006 wiederaufgebaut. Damals begleitete das Fernsehteam eine Gruppe, die über mehrere Wochen in den Häusern unter den Bedingungen der Steinzeit lebten.

 
 


Zu guter Letzt sahen wir uns zwei Häuser von ca. 3900 bzw. 3300 v. Chr. an, die im Rahmen eines Langzeit-Forschungsprojekts errichtet wurden.

 


Und dann waren wir auch schon wieder am Ausgang - und damit in der modernen Welt - angelangt. Wer mehr über das Museum erfahren möchte, kann sich auf der offiziellen Website informieren: www.pfahlbauten.de

Nun stellte sich die Frage: Wie verbringen wir den Nachmittag? Unteruhldingen bot zwar einige Lokale, ist aber ansonsten ein recht kleiner Ort. Meersburg dagegen zog uns magisch an ...

 
 
 

So eine Reise in die Steinzeit macht Appetit. Auch wenn Paleo-Ernährung – also steinzeitliche Ernährung – ja gerade im Trend liegt, wollten wir lieber etwas Moderneres zu uns nehmen. Aber in Meersburg muss man nicht verhungern - an der Uferpromenade reiht sich ein Restaurant an das nächste. So fanden wir auch schnell einen Platz mit schöner Aussicht. Aber nach dem Essen ist vor dem Essen. :-) Darum entschlossen wir uns, die 3-Städte-Tour zu vervollständigen und nach Hagnau zu spazieren. Immer am Ufer entlang ging es in den nächsten Ort. Unterwegs lud der See zu einer Abkühlung ein.


In Hagnau angekommen, sahen wir uns die Kirche St. Johann Baptist an. Ins Innere konnten wir aufgrund einer Hochzeit nicht, aber das Äußere war auch sehenswert. Zu den Klängen von "Dir gehört mein Herz" aus dem Musical "Tarzan", die aus der Kirche zu uns herüberwehten, lasen wir die interessanten Innschriften der alten Grabtafeln aus dem 19. und 18. Jahrhundert, die rundum an der Kirchenmauer angebracht sind.

 
 

 

Nach einem Eis am Seeufer wollten wir eigentlich eine Runde mit dem Tretboot hinaus. Doch plötzlich frischte der Wind auf, sodass wir zu sehr durchgeschaukelt worden wären.

 

Also traten wir den Rückweg in Richtung Meersburg an -  diesmal allerdings durch die idyllischen Weinberge, vorbei an Mirabellen- und Apfelbäumen und über "wilde" Schluchten.

 
   

Immer weiter bergauf ging es - aber wir wurden belohnt. Auf dem Lerchenberg wartete die Kriegsgräberstätte mit reichlich Schatten und einer sensationellen Aussicht auf uns. Natürlich hat der Soldatenfriedhof, auf dem 69 im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten begraben liegen, einen sehr ernsten Hintergrund.

 
 

Doch strahlt der Ort auch eine sehr positive, angenehme Ruhe aus. So genossen wir eine ganze Weile die herrliche Aussicht - in absoluter Stille auf der Mauer liegend, über uns die großen Lindenbäume, durch deren Äste der Wind rauschte, unter uns der glitzernde See.
   
 
 

Es fiel uns nicht leicht, diesen stillen Ort wieder zu verlassen und durch die heißen Weinberge in den Ort zurückzugehen. Dort tätigten wir noch die letzten Einkäufe und machten einen Abstecher zum Geheimgang, der von einer Unterführung aus zur Burg führt. Zu gerne hätten wir den dunklen Gang erkundet. Wenn da nicht diese Glasscheibe gewesen wäre ... Also besichtigten wir stattdessen noch die Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute Schlosskapelle im Neuen Schloss.

 

 



Auf der Rückfahrt planten wir gleich den nächsten Bodensee-Ausflug. :-) Und eine Begegnung der - beinahe - dritten Art hatten wir auch noch. Wir sprachen gerade gerade von der Festungsruine Hohentwiel, die wir vielleicht im nächsten Jahr auch einmal besichtigen wollen. In dem Augenblick tauchte zu unserer Linken eine große Burg auf: Hohentwiel! Wo und wie wir uns verfahren hatten, wissen wir bis jetzt noch nicht. Aber etwas "herbeizureden" ist irgendwie unheimlich praktisch. ;-)

Und hier findet Ihr unser Video. Wenn Ihr es direkt über Youtube anschaut, könnt Ihr mithilfe des Zahnrädchens die Qualität erhöhen.



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