Montag, 12. Oktober 2015

Eine herbstliche Wanderung mit vielen Infos, leckeren "Keschde" und "Neuem Woi"


Willkommen liebe Einstig-Freunde,
der Sommer ist dem Herbst gewichen, und so war es wieder an der Zeit, dass die "Bindersbacher Herbst- und Kastanienwanderung" stattfand.

Der "Bindersbacher Brauchtumverein" organisiert  seit einigen Jahren das Herbstfest mit Kastanienwanderung. Wie schon im im letzten Jahr waren wir von Einstig mit dabei.



Am Freitagabend fand ein interessanter Vortrag statt, in dem es um die historische Vergangenheit von Bindersbach ging.

Unter anderem wurde erklärt, woher sich der Name Bindersbach ableitet aber was den  Gewannen (einzelne landwirtschaftliche Gebiete) rund um Bindersbach ihren Namen gab.
Die Herkunft des Namen "Trifels" wurde ebenso erläutert wie auch die des Felsen "Asselstein". Wobei es gerade beim Asselstein nicht einfach ist, da die Herkunft nicht zweifelsfrei zu belegen ist und zum Namen mehrere Ansichten der Historiker gibt.

Den Asselstein konnten wir uns dann am Tag darauf, samstags, aus nächster Nähe anschauen.




So brach der Samstag an. Doch bevor es losgehen konnte mit der Wanderung und dem anschließendem Fest mussten noch einige Vorbereitungen getroffen werden. 
Viele fleißige Hände halfen mit, damit die Wanderung und das Fest gelingen konnten.
10 kg Kastanien wurden eingeritzt, unzählige Herbstpflanzen zusammengetragen und  arrangiert, Feuerholz gestapelt usw. Selbst an die vierbeinigen Begleiter wurde gedacht. Wenn auch das Hinweisschild "Neuer Woi für Hunde" nicht ganz ernst gemeint war. 
Aber diese Fröhlichkeit und dieser Humor waren bezeichnend für den ganzen Tag. Es wurde viel gelacht und Scherze gemacht.

  
 
       
   
 
Leider schlug die Krankheitswelle erbarmungslos zu, und so konnte die "Einstig"-Gruppe nicht in voller Stärke zur Wanderung antreten. In Gedanken waren wir oft bei den Daheimgebliebenen und waren traurig, diese tollen Naturerlebnisse nicht mit ihnen erleben zu können. Aber der nächste Termin für die Herbstwanderung 2016 steht schon.

Um 13.30 Uhr hatten sich  alle Wanderfreunde eingefunden. Startpunkt war der "Kerweplatz" in Bindersbach - direkt unter der Burg Trifels gelegen.
  

Die Wanderkarte war vorbereitet und jeder Teilnehmer bekam einen Streckenplan. Dank des umsichtigen und ortskundigen Wanderführers brauchte aber keiner Angst zu haben, verloren zu gehen.
Folgende Streckenpunkte sah der Wanderweg vor:
Nach der herzlichen Begrüßung ging es auch schon los. Erste Bekanntschaften wurden geschlossen und schnell wanderten wir fröhlich plaudernd durch den Pfälzer Wald.



   

Vorbei ging es am "Kurhaus Trifels". Dieses eindrucksvolle Gebäude wurde 1911 errichtet und diente schon als Erholungsheim, Lazarett im Krieg und Gaststätte. Heute befindet sich ein Seminarhotel in dem über 100-jährigen Haus.
Mehr Infos und historische Ansichten zum "Kurhaus Trifels":  http://www.bindersbach.de/kurhausthemenseite.html


Nachdem wir über einen "Zick-Zack-Pfad" den ersten Berg erklommen hatten, konnten wir den Blick über ein Hochplateau schweifen lassen. Der Blick zum Trifels war frei und die mittelalterliche Burg wirkte von diesem Blickwinkel aus besonders imposant.   

  

Weiter  ging es zum ersten großen Etappenziel. Die Naturbegräbnisstätte "Trifelsruhe". Manch einer konnte sich unter diesem Begriff erst einmal nichts vorstellen. Sind Waldfriedhöfe doch  schon bekannter, so ist eine Naturbegräbnisstätte seltener zu finden. 


Unser Wanderführer Gèrard hatte einen Termin mit dem Forstrevierleiter Harald Düx ausgemacht. Herr Düx ist auch für die "Trifelsruhe" zuständig und konnte uns so ausführlich auf unsere Fragen antworten und einen kleinen Vortrag über diese Art des Begräbnisses halten. 
 

Wir erfuhren so, dass es z. B. auch möglich ist, dort einen Familienbaum zu pflanzen (beispielsweise bei der Geburt/Taufe). Dieser wächst dann ein Leben lang mit und kann dann, nach einem langen Leben,  als Naturmerkmal dienen. Dies bedeutet, dass die Urne des Verstorbenen an dem Baum beigesetzt werden kann. 
Gekennzeichnet werden die Urnengräber durch ein Efeublatt aus Metall (auf Wunsch mit Namen oder einem biblischen Spruch).
Alles soll sehr naturbelassen bleiben - ein Ort mitten in der Natur, an dem die Angehörigen trauern können. Dabei spielt die Konfession oder der Wohnort kein Rolle, um hier beerdigt werden zu können.
Wie auch auf normalen Friedhöfen sind "Familiengräber" möglich. Diese besitzen aber keinen Grabstein , sondern sind in Form eines Naturmerkmals (Baum, Wurzel, Steinhaufen, Busch, Baumgruppe) markiert.
Ein weiterer Unterschied zu einem gewöhnlichen Friedhofsgrab ist, dass man keine "Verlängerung" des Grabes beantragen muss. Das Grab wird auf Lebenszeit der Trifelsruhe bestehen bleiben. Hunde mitzuführen ist auf diesem Friedhof (im Gegensatz zu vielen anderen Ruhestätten) kein Problem.

   

Auf dem Gelände der Trifelsruhe gibt es mehrere Andachtsplätze, welche liebevoll gestaltet sind: an einem kleinen Teich gelegen, auf einer Anhöhe mit einem großen Holzkreuz oder unter einem Dach, das die Form eines Blattes hat.


  

Seit 2008 existiert diese Begräbnisstätte mitten im Pfälzer Wald bei Annweiler am Trifels. Das Gebiet, auf dem sie errichtet wurde, bietet aber noch weit mehr historische Schätze. So wurden beim Ausbau der Andachtsstätte mit dem großen Holzkreuz archäologische Funde gemacht. Und noch heute zeugen Einritzungen im Stein (1875) hinter dem Holzkreuz von der Wichtigkeit dieses Platzes.


Weitere Informationen zur Naturbegräbnisstätte "Trifelsruhe" findet Ihr auch auf dieser Homepage: http://www.trifelsruhe.de/

Nachdem wir dem Vortrag vom Forstrevierleiter Herr Düx gelauscht hatten, ging es nur ein paar hundert Meter weiter bergauf zu unserem Pausenplatz. An der "Willy Achtermann Hütte" wartete schon ein Mitglied des Brauchtumvereines auf uns, um uns mit kostenlosem herzhaftem Gebäck, Wein, Limonade und Hochprozentigem zu stärken. Wir griffen alle beherzt zu, denn so langsam griff die Kälte um sich und ein leichter Sprühregen setzte ein.


Willy Achtermann war Ehrenvorsitzender des Verkehrsvereins. Schon zu Lebzeiten wurde ihm dieses Denkmal errichtet. Vor kurzem verstarb er.
An dem Platz, an dem heute die drei mal vier Meter große Hütte steht, befand sich früher das 1922 errichtete Naturfreundenhaus. 1938 brannte es nieder.
 Mehr zur Willy Achtermann Hütte findet Ihr hier: http://bindersbach.de/wanderzieleachterman.html

  

Vorbei am Grenzfelsen ging es weiter in Richtung Asselstein. Der Asselstein, auch Kletterfelsen genannt, trägt seinen Spitznamen zurecht. Dient doch dieser große Sandsteinfelsen bis heute vielen Kletterern aus Nah und Fern als Ausflugsziel. Auch wir hatten Glück und konnten den Extremsportlern bei ihrem Hobby zuschauen.

Und ein ganz besonderes Naturschauspiel konnten wir ebenfalls am Asselstein beobachten. Zu unserer kleinen Wandergruppe gehörte auch ein Kletterer, welcher den Asselstein in- und auswendig kennt. So ist er auch mit der dortigen Tierwelt vertraut. Er machte uns auf einen kleinen grauen Punkt ganz oben am Felsen aufmerksam. Wir wären sicher alle achtlos daran vorbeigegangen oder hätten nicht einmal gewusst, was wir da sehen. Ein Wanderfalke! Das Weibchen dieser Vogelart nutzt den Felsen als Brutstätte. Während der Brutsaison im März/April ist deshalb auch der Asselstein für Kletterer und Wanderer gesperrt, um die Familienaufzucht des Greifvogels nicht zu stören.
  

Mehr Fotos und Infos zum Asselstein/Kletterfelsen gibt es hier:  http://www.bindersbach.de/wanderzieleasselstei.html

"Ab nun geht es nur noch bergab!" Mit diesen Worten machten wir uns langsam auf den Rückweg. Das Licht wurde schon dämmrig, als wir den Abstieg zur Klettererhütte wagten.

Die Klettererhütte  liegt mitten im Wald und dient nicht nur Kletterern als Einkehrmöglichkeit. Mit leckeren Pfälzer Gerichten lädt sie hungrige Wanderer ebenso zu einer Pause ein wie auch Mountainbiker oder Jogger. Seit April 1950 haben schon Generationen von Einheimischen hier ihren Schoppen (oder im Winter Glühwein) getrunken. 
In den 50er Jahren gab es einen "botanischen Garten", welcher sich  nur wenige Meter neben der Hütte befand. Dieser ist heute kaum mehr zu erahnen, die Natur hat sich das Gebiet zurückerobert. Nur dank eines gezielten Hinweises der Ortskundigen konnten wir einige flache, gerodete Stellen und für den Pfälzer Wald untypische Gewächse ausmachen. So zeugt bis heute ein großer Mammutbaum von der damals gepflegten Anlage.

 

Mehr Infos zur Klettererhütte findet Ihr hier: http://www.bindersbach.de/wanderzielekletterer.html

Immer tiefer drang unsere kleine Wandergruppe in den Pfälzer Wald vor. Dabei entdeckten wir wunderschöne Naturschätze. Manche Schönheiten strahlten uns direkt vom Wegesrand aus an, bei anderen mussten wir unseren Blick gezielter in den Wald oder auf die Felsen richten. Überall gab es Sachen zu entdecken, und manch einer fühlte ich im Gegenwart der mächtigen Felsen ganz klein.

  
  
   
 

Immer wieder entdeckten wir alte Daten, eingeritzt in den Felsen. Uns wurde erklärt, dass dies die Grenzmarkierungen waren und die Gemarkungen von Annweiler und den umliegenden Ortschaften anzeigten. Wir staunten nicht schlecht, als wir Markierungen von 1777  entdeckten.

   

Die Zeit während der Wanderung verging so schnell. War es eben noch 13.30 Uhr - schon rückte der Zeiger der Uhr unaufhaltsam Richtung 17.30 Uhr. Wo war die Zeit nur geblieben? Nun ja, mit guten Freunden vergeht die Zeit eben wie im Fluge. Die Gesprächsthemen und die Lacher wurden (im Gegensatz zu unseren Füßen) nicht müde! 

  
  
 

Doch alles Schöne hat auch mal ein Ende. Und so erinnerten wir uns schon auf dem Rückweg an die grandiosen Aussichtspunkte der vergangenen Stunden. Klar, die Wolken hätten weniger sein können, dann hätten wir mehr sehen können. Aber es hätte ja auch mehr regnen können! Und so waren wir froh um die Aussichten, die wir an diesem Tag erhaschen konnten.

 


Zurück am Ausgangspunkt in Bindersbach angekommen brannte schon ein Lagerfeuer und das Festzelt war bunt beleuchtet. Der Duft von leckerem Essen wehte uns entgegen. 
Doch wir wollten die Zeit, so lange es noch einigermaßen hell war, nutzen, um noch den Garten von Brigitte und Gèrard anzuschauen und von dem "Opa-Plätzel" den Blick auf die Burg Trifels zu genießen.
Also haben wir "Einstiger" kurz den Festplatz verlassen und uns die wenigen Meter Richtung "Salmons Garten" aufgemacht. 



Es gab viele Blumen und Kräuter zu entdecken. Und auch die Felsenlandschaften wurden noch einmal genauer erklärt. Ebenso statteten wir dem "Regenbogenfriedhof" einen kleinen Besuch ab. Dabei handelt es sich um ein Felckchen am Grundstücksrand  gelegen, auf dem die bisherigen Haustiere von uns begraben wurden. Gèrard baute für jedes Tier ein Kreuz, und Brigitte pflegt die Gräber bis heute liebevoll und  fürsorglich.
  

Die Dunkelheit brach herein, und der Hunger ließ sich nun nicht mehr ignorieren. So fanden wir uns wieder am Festzelt ein und füllten unsere Mägen mit "Wildschwein Bööööörgern", Cevapcici mit  Wildbeerensoße, deftigem Chilli, Keschdesaumagen, gekochtem Rindfleisch, Zwiebelkuchen und Wildbratwurst. Als Nachtisch gab es natürlich frisch geröstete "Keschde" am offenem Feuer, und alles wurde mit leckerem "Neuen Woi" hinuntergespült. Wobei manch einer die Wirkung des süffigen Getränkes doch unterschätzte und nach dem zweiten Schoppen schon fragte, mit was denn der "Neue Woi gedopt sei?"

   
  

Als wir so dasaßen und den Tag ausklingen ließen gesellten sich noch ein paar "alte Bekannte" zu uns. Es war schon eigenartig, sah man sich doch sonst meistens nur in mittelalterlicher Gewandung. So ganz in zivil musste man sich erst einmal an den Kleidungsstil gewöhnen.

 
 
  

Dann wurde es wirklich Zeit, den Tag zu beenden. Vorher wurden jedoch schon Pläne geschmiedet für die nächste Wanderung. Und dann hieß es: "Guts Nächtle und träumt schee!"

 

Dank Sylvie gibt es wieder einen tollen Videoclip zu dem ereignisreichen Tag. Schaut ihn Euch an, denn er ist wirklich klasse geworden und bringt Euch die Wanderung ein ganzes Stück näher! 

Vielen Dank den Bindersbacher Brauchtumverein für die tolle Zeit in dem kleinen pfälzischen Dörfchen. Die Mühe, die Ihr auf Euch genommen habt, um diese Wanderung und das anschließende Fest so urig zu gestalten, hat sich voll gelohnt! 

Wir sind uns einig: nächstes Jahr, am 08.10.2016, sind wir wieder dabei!



Wer diese Wanderstrecke  noch einmal genau auf einer Karte mit Höhenmetern und weiteren Fotos anschauen mag, kann dies gerne >>HIER<< tun. Der Link führt zur Homepage von "Komoot". Dort sind die Daten, die wir damals bei der Vortour aufgenommen haben, zu sehen.
Wer mehr über die Stationen der Wanderung wissen möchte oder gar selbst mal eine Wanderung rund um Bindersbach erleben will, dem legen wir diese Homepage: http://www.bindersbach.de/ ans Herzen. Neben vielen Wanderwegen gibt es dort auch tolle, zum Teil historische Fotos und Informationen zu Ausflugszielen. Auch der Bindersbacher Brauchtumverein wird dort vorgestellt.
Und natürlich gibt es auch noch ein "Mehr" an Fotos. Dazu einfach in unser Forum schauen: >> hier <<

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1 Kommentar:

  1. so wunderbar geworden: der schriftliche Beitrag mit den Fotos ebenso wie der Video-Clip. DANKE!!!

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