Sonntag, 8. November 2015

Und durch den Nebel sah man gar seltsame Gestalten am Seeufer stehen - Das Halloween-Shooting


Zunächst ein Hinweis: Dieser Blogbeitrag handelt von einem Shooting kurz nach Halloween. Dani kostümierte sich dieses Mal als Zombie inklusive eines aufwendigen Make-ups. Wer kein (Kunst-)Blut und keine (künstlichen) Wunden sehen kann oder möchte, sollte ab dem entsprechenden Hinweis weiter unten nicht mehr scrollen. Aus diesem Grund ist dieser Blogbeitrag zweigeteilt - zunächst alle Bilder von mir, dann Danis Fotos. 

Auf dem diesjährigen Theaterfest des Badischen Staatstheaters wurden Stoffreste verkauft. Beim ziellosen Stöbern entdeckte ich ein tolles rotes Kunstleder, das mich sofort an die rötlichen Lederärmel der Tunika erinnerte, die Viserys Targaryen in „Game of Thrones“ trug: >> hier zu sehen <<. (Der Link führt zu einer externen Seite!) Noch war ich mir nicht sicher, ob aus dem Kunstleder tatsächlich Ärmel entstehen würden. Dieses Schnäppchen musste zusammen mit etwas schwarzem Stoff aber auf jeden Fall mit.

Die Idee, ein an diese Tunika angelehntes Kostüm zu nähen, ließ mir dann doch keine Ruhe. Nur: einen Mann wollte ich auf keinen Fall darstellen. Aber nachdem ich wieder einmal über eine tolle Artwork-Serie stolperte, in der der Zeichner Disney-Figuren im jeweils anderen Geschlecht darstellte, gefiel mir die Idee immer besser, die Tunika einfach ein wenig zu verlängern und ein Kleid daraus zu machen. Die kleinteiligen Accessoires wie die Ziernieten auf dem Gürtel, der Drachenkopf auf dem Schwert und der Ring entstanden aus Fimo und Acryllack. 

 

Am Samstag war es dann soweit - in aller Frühe klingelte der Wecker, und ein Targaryen, ein Zombie und eine ... ähm ... "Normale" fuhren im Morgengrauen in Richtung Fermasee. Wir wollten zum einen die Stimmung bei Sonnenaufgang einfangen, zum anderen aber auch möglichst ungestört Fotos machen. Den Baggersee in Rheinstetten hatten wir bereits vor beinahe zwei Jahren auf seine Kulissentauglichkeit hin „getestet“ und für gut befunden. 

Das mit dem Sonnenaufgang funktionierte dann doch nicht so wie geplant. Dichte Wolken machten uns einen Strich durch die Rechnung. Es blieb grau, allerdings war es angenehm warm - und zu unserer Freude die ganzen zwei Stunden über menschenleer.

So sah auch niemand, wie wir aufgrund des fehlenden Nebels in die Trickkiste griffen und Nebeltabletten verwendeten. Einmal angezündet, muss es schnell gehen, denn sie lassen nur für etwa eine halbe Minute Rauch aufsteigen. Und wenn dann noch alle paar Sekunden die Windrichtung wechselt ... So konnte man immer wieder zwei Gestalten dabei beobachten, wir sie gehetzt einer Rauchfahne nachsprangen, die munter die Richtung wechselte. Sich direkt daraufzustellen, war auch keine gute Alternative, sah aber lustig aus. Aber immerhin konnte man dann behaupten, einen kleinen Drachen unterm Kleid versteckt zu haben.

 


Überhaupt lachten wir viel dort draußen am Seeufer, auch wenn man es bei den entstandenen Fotos kaum glauben mag. So hallten dann auch bald alberne Sätze übers Ufer:

"Stell den Viserys mal dort rüber zu den Schwänen ..."

 
 


"Autsch!"
"Viserys ist ein Waschlappen!"
"Wage es nicht, den Drachen zu mobben!"



"Meine Krone! Wo ist meine Krone?"
"Auf deinem Kopf!"

Überhaupt, die Krone ... Die war eigentlich immer genau dort, wo sie nicht sein sollte. Wollte man Fotos ohne Krone machen, konnte man sicher sein, sie nicht abgenommen zu haben. Brauchte man sie, musste sie gesucht werden; einmal sogar im dichten Blättermeer, wo sich das gute Stücke geschickt zu tarnen vermochte. Sie wusste sich in Szene zu setzen, diese Krone.
Und selbst bei unserer Fotografin weckte sie Begehrlichkeiten ... und das wiederum den wütenden Drachen. :-)


Zwischendurch bekamen wir dann doch noch Besuch - nein, nicht von den Schwänen, Bibern (oder war es doch eine Wasserratte?), Kranichen und nicht identifizierbaren Lebewesen, die man zwar nicht sah, aber hörte.

Sondern von zwei Mountainbike-Fahrern auf ihren metallischen Tret-Drachen - wie man Viserys versuchte zu erklären -, von denen einer uns doch verdächtig bekannt vorkam. So wurde das Shooting kurz unterbrochen, um gar mysteriöse Tauschgeschäfte unter Kollegen am einsamen Strand abzuwickeln. :-)

Und neben all dem Spaß erreichten wir auch noch das Ziel dieses Morgens - viele Fotos mit nach Hause nehmen zu können.
 
   

 
    

 
 

 

So ganz ohne Drachen ging es dann doch nicht. So entstanden noch einige Quatschfotos mit einem kleinen grünen Gesellen, der ein bisschen irre guckt - aber das passt ja ...
  
   
Um noch einmal auf das Theaterfest zurückzukommen: Ebenfalls in den Koffer fürs Shooting wanderte das Oberteil, das ich bei der diesjährigen Kostümversteigerung ergattert habe. Die Vorderseite wirkt aus einiger Entfernung wie aus großen Drachenschuppen gemacht.
 

Was am Fermasee nicht dabei war, aber auch noch fertig ist: Im nächsten Jahr werde ich mein GoT-Kleid ganz sicher auch auf Märkten tragen. Dort ist eine Tasche ja unverzichtbar - und ein kleiner Beutel für's Geld.

  

So, und nun vom Fantasy- in den Horror-Bereich! Immerhin war es ein Halloween-Shooting. Ich verabschiede mich an dieser Stelle und übergebe die Tastatur an Dani.

    

 

Ab hier kommt Kunstblut zum Einsatz! 

 

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Danis "Making of" ...
Hallo an alle, die es wagen wollen weiter zu lesen.

Warum ich das Zombie-Kostüm gewählt habe? Um ehrlich zu sein, gibt es jetzt nicht DEN EINEN Beweggrund, weshalb ich ein Shooting als Zombie machen wollte.
Ich wollte aber mal etwas "Anderes" machen als die ganz Zeit; ein Kostüm nutzen, das ich sonst nie trage. So kam ich auf den Zombie. Und da eine Woche zuvor Halloween war, fand ich das passend. Auch gibt es dieses Mal keine richtige Story zu meinem Horrorwesen. Mir gefällt irgendwie einfach der Gedanke: Ist nicht jeder von uns manchmal wie eine leblose Hülle? Die einfach nur macht und tut, aber dabei nichts fühlt? Fühlt sich nicht jeder manchmal leer und ausgebrannt?

Nun hatte ich aber kein passendes Zombie-Kostüm im meinem Schrank hängen. Sicher ... ich habe noch das alte "Horrorbraut"-Kostüm von vor x Jahren und auch ein Zombiekostüm, welches aber sehr künstlich aussieht. Aber nichts "Wirkliches".

Darum hieß es selbst zusammenbasteln.

Ich nahm eine alte Jeans, eine alte Bluse und ein altes/kitschiges Zombie-Kostüm.

So sah das alte Zombie-Kostüm ursprünglich einmal aus:
Es bestand aus einem Oberteil, Handschuhen und Hosen mit ziemlich großen Kunststoffknochen.

In meine Jeans und Bluse habe ich dann mit einem scharfen Messer hineingeschnitten und somit Risse entstehen lassen.
Ich habe die Knochen aus dem alten Kostüm herausgeschnitten und mit Stoffkleber hinter die Schlitze meiner Kleidung geklebt.

  
  
Das sah dann schon ziemlich gruselig aus!

         

Doch noch nicht "echt genug" für meinen Geschmack. Also habe ich alle Teile mit auf den Balkon genommen und sie dort richtig mit Kunstblut angemalt. Ich möchte nicht wissen, was unsere Nachbarn gedacht haben, als sie die blutigen Teile dort hängen sahen. Andererseits müssten sie den Anblick "komischer Sachen" von uns ja schon gewohnt sein!

 
        
        

Kurz vor dem Shooting habe ich die Farben noch einmal aufgefrischt und nochmals eine Portion Kunstblut benutzt. Es sollte ja auch alles schön frisch wirken.

Zum Make-up: Ich habe mich seit langer Zeit mal wieder an Kontaktlinsen herangetraut. Vor meiner Augen-Laser-OP war ich zeitweise Kontaktlinsenträgerin. Dies ist nun aber auch schon fast 10 Jahre her. Nun stellten sich mir die Fragen: a) Weiß ich noch wie das mit den Kontaktlinsen geht und b) welche Farbe bzw. welches Muster sollte ich nehmen. Ich entschied mich für weiße Linsen. Damit am Shootingtag auch alles klappte, habe ich die Linsen eine Woche vorher schon mal ausprobiert.


Ebenso war es auch mit dem Make-up. Wunden schminken, das kann ich! Darin habe ich auch Übung, da ich jedes Jahr zur Bindersbacher Kerwe "Schminken" anbiete. Aber dann erfuhr ich durch Facebook von "Latex-Milch". Mit dieser weißen Flüssigkeit kann man eine zweite "Hautschicht" auftragen. Wenn die Latex-Milch getrocknet ist, wird sie durchsichtig und man kann sie "aufreißen", sodass es wie abgewetzte Haut aussieht. Das musste ich ebenfalls vorher mal testen.
Bei der ganzen Sache war mir eines wichtig: Es sollte nicht zu künstlich und übertrieben wirken, sondern eher wie ein "realistischer Zombie" - falls es so etwas überhaupt gibt. ;-)

Hier also meine Schminkanleitung:
Kontaktlinsen
Zuerst habe ich mir die Kontaktlinse angezogen. Ich habe nur eine genommen, da man mit den weißen Linsen nur schlecht sehen kann und ich ja beim Shooting nicht in den See fallen will. Autofahren kann man mit diesen Funlinsen gar nicht!
Wichtig: wer noch nie Kontaktlinsen getragen hat, sollte das Einsetzen vorher gezeigt bekommen und üben! Die Hygiene ist sehr wichtig im Umgang mit Kontaktlinsen. Verschmutzungen führen zu Reizungen des Auges oder können im schlimmsten Fall eine Infektion auslösen! Darum sollte man sich vorher informieren, wie man die Linsen spült, aufbewahrt und reinigt!

Das Tragen ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber schnell merkt man kein Kratzen oder Reiben mehr.



 
Grundierung
Danach habe ich eine weiße Grundierung aufgetragen. Mein Zombie sollte nämlich nicht mit rosigen Wangen daher kommen.
Dazu habe ich mit einem großen Pinsel das feste Puder aufgetragen und gleichmäßig verteilt.
Ich benutze gerne die Marke "Kryolan", da das Make-up wirklich eine super Qualität hat.





 
Schattierung
Mit ganz normalem Lidschatten habe ich Ränder unter die Augen und Schattierungen  aufgetragen.
Dazu habe ich keinen schwarzen Lidschatten benutzt, da mir der Kontrast zu hart war, sondern Braun und einen Rotton.
Außerdem habe ich ganz dicht unter das Auge noch einen Strich mit Kunstblut gezogen.



 

Latexmilch/ Latex Liquid
Nun war es Zeit für die Latexmilch.
Dies ist eine weiße Flüssigkeit, welche auf die Haut aufgetragen wird. Wenn sie trocknet, wird sie durchsichtig. Dann kann man sie vorsichtig abzupfen. So entstehen "Löcher" im Liquidfilm. Dies sieht dann aus wie aufgeplatzte Blasen oder tiefe Schnitte.

Da das Latex auch ziemlich klebt, kann man es auch gut als Hautkleber benutzen.

Profis kleben noch eine Schicht Klopapier oder eine Wattekugel unter das Liquid, sodass es noch echter nach abgefetzter Haut und Beulen aussieht.

Ich habe mir auf der einen Wange großzügig Latex aufgetragen, um eine großflächige Wunde vorzutäuschen. Auf der anderen Seite habe ich mir nur drei "Kratzer" aufgetragen.

   
   


Blut - Blutiger - Zombie
Die so entstandenen Löcher habe ich mit schwarzem Creme-Make-up angemalt und die Ränder mit rotem Creme-Make-up schattiert. Genauso bin ich mit den Kratzwunden auf der anderen Wangenseite verfahren.
Mit einem Bart-Stoppel-Schwamm habe ich um die Wunden getupft. Dies sieht dann etwas verwaschener/stoppeliger aus und nicht so gleichmäßig.


Nun kam das Kunstblut zum Einsatz.
Wie auch bei dem Puder und dem Creme-Make-up habe ich Kunstblut von Kryolan benutzt. Dies gibt es in zwei verschieden Farbtönen. Mir persönlich gefällt "dunkel" besser, da es "echter" aussieht. Das "helle" wirkt eher wie blutiger Eiter. ;-)
Das Blut ist relativ dickflüssig und lässt sich so gut auf den Bart-Stoppel-Schwamm auftragen und damit im Gesicht vertupfen.
Bei den Kratzwunden habe ich mit einem Pinsel gearbeitet, damit das Blut auch genau auf den Wunden verläuft und von dort nach unten tropft.
Es ist schon eigenartig, sich so blutig und horrormäßig zu schminken und dabei den Geruch und Geschmack von süßer Erdbeere (oder Himbeere) in Mund und Nase zu haben. Denn so schmeckt und riecht dieses künstliche Blut.  Ein totaler Gegensatz zum Blick in den Spiegel.

   
   

So, und fertig ....
So habe ich geübt für den großen Shootingtag.
Für den ersten Versuch mit Latexmilch und der Kontaktlinse im Auge war ich ganz zufrieden mit dem Make-up.
Dennoch wusste ich damals schon: am Shootingtag würde das Make up wieder anders aussehen. Wie bei Handarbeit eben üblich: Keines ist wie das andere ;-)

 

Nach der ganzen Schminkaktion galt es natürlich das Chaos zu beseitigen. Kunstblut musste von Wänden/Boden/Waschmaschine/Badläufer geputzt, die Farbtöpfchen abgewischt und zugedreht werden. Und natürlich die Kontaktlinse gereinigt und hygienisch verstaut werden ... Und nach dem Duschen brachte auch die Duschwanne eine gründliche Reinigung. 

  


Beim Shooting
Nach der Generalprobe kamen Make-up und Kostüm am Fermasee so richtig zur Geltung ...
Für das eigentliche Shooting habe ich das Make Up dann noch etwas reichlicher aufgetragen als zur Probe.
 
 

 

    

 
 

 

  

 

   

  

    


  
  

Zur "Entstehung" des Zombies wurden dann einige Theorien erstellt... Da die Schminke zum Teil wie Brandblasen wirkte, und die Rauchtabletten in Verbindung mit dem Unterholz wie ein Brand aus sah,einigten wir uns dann darauf: Der Mensch kam bei einem Waldbrand ums Leben und erwachte als Zombie wieder!

 

      
Seit dieser Zeit schleicht er ruhelos um den See um dort "Früüühhhhhhhhstüüüüück" zu finden, denn er hat so großen "Huuuuuunnnnnngggerrrrrr!"
 
 

Ähm ... Verzeihung?! ... Es bringt nichts, einen Zombie umbringen zu wollen  ... Er ist bereits tot ...



Nein, auch nicht so ...


Okay, wir hatten gewarnt ...

 

Am Ende dieses sehr spaßigen Morgens wurden der Zombie und der Drache doch noch Freunde :-) ...


Auch dieses Mal wird Sylvie wieder ein Video erstellen. Wenn man es direkt über YT anschaut, kann kann man die Qualität auf HD einstellen.




Wer mehr Fotos sehen möchte, kann dies in unserem Forum im "Aktivitäten Archiv" >> hier << tun! 

Die nächste "Einstig" Aktivität steht auch schon an!
Am 21.11.2015 ab 10.00 Uhr darf jeder wieder seiner Kreativität freien lauf lassen! Denn uns steht ein Basteltag bevor.Egal ob mit Gipsbinden, Ton, Filz oder Seife - jeder darf mit den Utensilien werkeln wie er möchte. Evtl. kommt sogar das eine oder andere Weihnachtsgeschenk dabei heraus?
Wer dabei sein mag, ist herzlich Eingeladen. Mehr Infos findet Ihr im Forum >> hier <<

Alles Liebe

1 Kommentar:

  1. Wunderschöne Fotos dabei! Genial: Nebeltablette! Zu diesem See möchte ich auch einmal. Die knorrigen Baumwurzeln verraten so viel über die lange Geschichte des Baumes. Eine ideale Location.

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