Sonntag, 24. Januar 2016

Es ist uns eine Ehre, Ersthelfer zu sein! Wir wissen, was im Notfall zu tun ist und handeln!


Wir sind "Helden", denn wir wissen, was im Ernstfall zu tun ist!
Hallo liebe Einstig-Freunde!

Am 16.11.2014 war unser letztes Erste-Hilfe-Training.
"Noch gar nicht so lange her!" oder "Doch schon so lange her?"
Diese Fragen haben wir uns nicht gestellt, für uns war klar: "Es wird wieder Zeit für eine Auffrischung!"

Gestern war es (endlich) soweit. Da der Kurs schon um 9.00 Uhr startete, hieß es erst einmal wach werden. Ob nun mit Tee oder Kaffee, das spielte keine Rolle.


Schon nach den ersten Minuten des Kurses war alle Müdigkeit wie weggeblasen, und wir lauschten mit großen Augen und offenen Mündern den Erlebnissen der anderen Kursteilnehmer und den Erzählungen aus Nadines Arbeitsalltag als Rettungsassistentin.
Bei dieser Vorstellungsrunde wurden Fragen geklärt (z. B: ob man Zecken als Erzieherin entfernen muss) und die eine oder anderen Infos weitergegeben.


Wichtige Infos für den Ersthelfer:
- 80% der Notfälle passieren im Familien- oder Freundeskreis! Mit dem Wissen eines Erste-Hilfe Trainings hilfst Du den Menschen, die Du liebst und die Dir nahe stehen.
- Wer mit bestem Wissen und Gewissen hilft, kann nicht belangt werden! Alles ist besser als nichts zu tun.
- Allerdings gibt es in anderen Ländern keine solche Schutzregelung für den Ersthelfer. Dennoch, den Notruf absetzen kann jeder überall.
- Es gibt die europaweite Notfallnummer 112.
- Beim Notruf erst auflegen, wenn es der Disponent von der Rettungsleitstelle sagt! Ansonsten Fragen beantworten (W-Fragen: Wo, was, wie viele, welche).
- Immer auf die Eigensicherung achten. Es ist dem Verunglückten nicht geholfen, wenn der Ersthelfer plötzlich daneben liegt.
- Es ist keine Schande, sich nach einer Erste-Hilfe-Aktion selbst Hilfe zu holen, wenn einen das Erlebte nicht loslässt.

Das einsetzende Schnarchen stammte, zum Glück, nicht von einem offiziellen Kursteilnehmer (dazu war es viel zu spannend).
Dennoch sorgte es für kurzzeitige Irritation.
Die Schuldige war schnell ausgemacht. Es war Easy, der "Einstig"-Hund, der auch an dem Kurs teilnahm.

Die Hundedame demonstrierte während des Tages dann noch die "Schnappatmung" (durch Fangen von Staub aus der Luft) und die wundersame "Bewusstlosenerweckung" durch Abschlecken.
Desweiteren überprüfte sie die Lage der Dummypuppe Anne, schlug bei der Herzdruckmassage im Takt mit dem Schwanz mit und schaute auch sonst nach dem Rechten.
Eine wichtige Aufgabe von Easy war auch das Überwachen des Büfetts und die Beseitgung heruntergefallener Krümel, damit möglichst wenig Putzarbeiten erledigt werden mussten.

 

Apropos Büfett
Bevor es mit vollem Körpereinsatz weiter zur Herzdruckmassage ging, durften wir uns am reichhaltigen Büfett stärken. Jeder hatte etwas mitgebracht, und so waren die Ablagen bald über und über mit leckeren Speisen und Getränken bedeckt. Für jeden Geschmack war etwas dabei.

  
  

Gestärkt ging es los. Hätte manch einer von uns gewusst, was nun kommt, hätte er auf ein zweites Stück Kuchen oder eine weitere Brezel verzichtet.

Herzdruckmassage mit Beatmung
Wer bewusstlos ist, und nicht "so schnauft wie wir" (um es mal badisch auszudrücken), der braucht eine Herzdruckmassage! Es sei denn, sein Kopf liegt zwei Meter weit vom Körper entfernt. Ganz einfach! Und "nicht so atmen wie wir", das schließt so ziemlich alles ein, was uns komisch vorkommt. Schnappatmung, rasselnder Atem, Atemaussetzer usw. ...
9 von 10 Reanimationen sind leider erfolglos - was aber auch daran liegt, dass oft zu spät damit begonnen wird. Falls wir Erfolg haben bei der Reanimation, dürfen wir beschwingt nach Hause fliegen. Falls aber nicht, ist dies kein Grund sich Schuldgefühle einzureden, denn der Wille war da und man hat das Mögliche getan.

Nicht zögern! Loslegen! Mit vollem Körpereinsatz, bis der Popo wackelt. Nicht wie im Fernsehen, sondern mit Kraft! 30 mal drücken - dabei 5 cm tief den Brustkorb drücken -, dann zweimal beatmen. Nicht  aufhören, bis Dich jemand ablöst. Hört sich alles so leicht an, ist es aber nicht.

Darum zeigte uns Nadine zuerst wie es funktioniert. Dazu hatte sie uns Anne und Baby-Anne mitgebracht. Zwei bereitwillige Dummys, bei denen zwar jeder Rettungsversuch erfolglos bleiben wird, die aber dennoch sehr kooperativ sind.

  

Ansprechen, Kopf überstrecken, schauen ob die Person atmet, beatmen, Druckmassage, beatmen ...

 
  

Dann waren wir an der Reihe. Die erste Schwierigkeit bestand darin, der Dummypuppe die Maske richtig aufzuziehen. Es zeigte sich, dass von uns keiner eine Ausbildung zum Gesichtschirurgen hatte und somit die Gesichtsstraffung der Masken nicht immer zum Erfolg führte.

  
  

Und los ging es: ansprechen/berühren, Kopf überstrecken, Atmung prüfen, beatmen, Druckmassage.

 
    

Schon im letzten erste Hilfe Kurs hatten wir gelernt, dass bestimmte Lieder ideal sind um den Rhythmus der Herzdruckmassage einzuhalten... so z.B. "Highway to hell", "Staying alive" oder "Yellow Submarine". Diesmal überraschte uns Nadine damit, dass wir nicht immer nur auf solche "Oldies" zurückgreifen müssen, sondern mit der Zeit gehen können und auch "Atemlos" (von Helene Fischer) dazu singen könnten.
Ob dieses Lied, vom Text/Titel her feinfühliger ist, als die anderen Lieder, sei einfach mal dahin gestellt - Hauptsache es führt zum Erfolg.

Wer von Euch nun denkt "Gut gemacht und jetzt erst einmal ausruhen", der hat sich getäuscht! Es ging nahtlos weiter.

Stabile Seitenlage
Wenn der Patient noch (oder wieder) atmet, heißt es, alles zu tun, damit es auch so bleibt! Also ab in die unbequemste Position, die eine Person mit Bewusstsein üben kann: die Stabile Seitenlage.
Auch hier zeigte uns Nadine wie es geht:
Winken - tanzen - 3-2-1-meins - zudecken - Atmung überprüfen
  

Danach waren wieder wir an der Reihe. Unter dem (nicht allzu strengen) Blick von Nadine ging es los.

Ansprechen, Kopf überstrecken, Atmung prüfen, 3-2-1-meins, zudecken, Atmung prüfen.

  
 

Doch weil nicht jeder Bewusstlose gleich so schön im freien Raum bereitliegt, hieß es jetzt, die unmöglichsten Stellungen zu suchen und die Personen daraus in die Seitenlage zu bringen. Dabei ließen wir wieder unserer Kreativität freien Lauf. Ob im Kinderklo, auf dem Pferd, im Webrahmen eingeklemmt, im Indianerzelt oder Spielehaus. Keine Position war uns zu unmöglich.


Oft blieb unserer Trainerin nur der Ausweg, die Hände vor den Augen zusammenzuschlagen und ihrem Motto treu zu bleiben: "Wer bewusstlos ist, der spürt auch keine Schmerzen!"

 
   
  
 

Wichtig: Leben retten geht vor Verletzungen vermeiden. 
Das heißt, die Seitenlage rettet Leben - ganz egal ob der gebrochene Arm nun unterm Körper liegt oder der Verunglückte evtl. eine Wirbelverletzung hat. Das wissen wir als Laie nicht, und es ist wichtiger die Atmung zu stabilisieren als z. B. auf die Wirbel achtzugeben.
Beim Motorradfahrer, Snowboarder oder Fahrradfahrer heißt dies deshalb: Helm immer ab! Mit dem Helm ist die Gefahr zu groß, dass der Patient am eigenen Erbrochenen erstickt bzw. der Kopf wie ein Ei hin und her kugelt, weil der Helm ein stabiles Aufliegen verhindert.

Noch ganz außer Atem von diesen Aktionen trafen wir uns wieder im Besprechungskreis. Denn Nadine kündigte uns ein "Kasperle", an und wir freuten uns schon auf ein entspannendes Kasperletheater.

KASPERLE & HELD
Dass das "Kasperle" nicht unbedingt immer ein Puppenstück für Kinder ist, haben wir ziemlich schnell bemerkt!
Vielmehr steht Kasperle als Abkürzung für die Betreuung von Verletzten. Ein Pädagoge (Harald Karutz) hat sich dieses System (hauptsächlich für verletzte Kinder) ausgedacht. Anwendbar ist es aber ebenso für Erwachsene.

Kasperle steht (unter anderem) für:
K: Kontaktaufnahme
A: Ablenkung
S: Situation erklären, Schuldgefühle beachten
P: Personen einbeziehen, die nahe stehen (Oma, Eltern)
E: Ermutigen
R: Ruhe bewahren
L: Lieblingsstofftier, loben
E: Ernst nehmen, ehrlich sein
Hier kann sich jeder das Merkblatt anschauen: https://www.schulberatung.bayern.de/imperia/md/content/schulberatung/pdfschw/pdfsw09102/erste_hilfe_erkrankte_verletzte_kinder_10.pdf

Neben Kasperle gibt es auch noch den "Held".
Wer den Blogbeitrag aufmerksam gelesen hat, hat das erste Foto sicher gesehen.
Held ist ebenfalls eine Eselsbrücke für den Ersthelfer und steht für:

H: Hilfe holen
E: Ermutigen
L: Lebenszeichen
D: Decke

Wir gingen sogar spontan so weit, den Held zum Helden zu machen und noch zwei zusätzliche Sachen zu ergänzen:

E: Eigensicherung
N: Notruf

Das Fallbeispiel  - und wie es eben besser laufen könnte ...
Nachdem wir nun mit "Wissen vollgestopft" waren (gut, es könnte auch das Büfett am Völlegefühl schuld gewesen sein), ging es daran, unser Wissen anhand eines Fallbeispieles zu überprüfen. Wie Detektive sollten wir herausfinden, was bei dem Fallbeispiel gut bzw. schief gelaufen ist.
Dass bei dem Beispiel einiges schief gelaufen ist und auch nicht ganz schlüssig erklärt wurde, war uns schnell klar. Hier nur einige der unzureichenden Maßnahmen der Kollegin des Verunglückten:

- Atmung prüfen
- Stabile Seitenlage
- Notruf absetzen mit Beachtung der W-Fragen (Wo, was, wieviel, welche, WARTEN!)
- Kollegen informieren
- Einweiser für den Rettungsdienst hinausschicken

Somit war ein Happy End schon von Anfang an ausgeschlossen, und es endete mit dem Tod des Patienten.

Doch das Beispiel ließ uns viel zu viele Fragen offen. So beschlossen wir einfach der Sache auf den Grund zu gehen.
Warum hatte die Kollegin des Patienten so "fahrig" reagiert? Wollte sie gar den Tod absichtlich in Kauf nehmen? Warum wusste die Dame an der Pforte nicht Bescheid? Hatte sie  ein Abkommen mit dem Leichenbestatter, welcher ihr Schwager war? Warum schickte der Disponent der Rettungsleitstelle nicht sofort einen Notarzt mit? War er  der neue Freund der Kollegin und steckte mit ihr unter einer Decke?
Ein ganzer Krimi wurde zusammen ersponnen, welcher den Titel "Der Teufelskreis" erhielt.

Nadine konnte bei unserer detektivischen Meisterleistung nur lachend den Kopf schütteln. Dabei hatte sie uns doch selbst dazu aufgefordert, der Sache auf den Grund zu gehen. Das Lachen unserer Kursleiterin endete darin, dass sie "keine normale Atmung" mehr zeigte und "nicht so schnaufte, wie wir es tun". Es lag sogar kurzweilig der Begriff der "Schnappatmung" in der Luft. Also leiteten wir die sofortigen Erste-Hilfe-Maßnahmen ein und begannen mit der Beruhigung der Patientin. Was uns allerdings nur mit mäßigem Erfolg gelang, da dies nur zu weiteren Lachkrämpfen führte.

Wer sich diesen Lachanfall und all die anderen Übungen in bewegten Bildern anschauen möchte, klickt einfach auf diesen Videoclip. Sylvie hat ihn für Euch zusammengeschnitten. Um ihn größer (in besserer Qualität) zu sehen, klickt auf den weißen Videotitel und auf das kleine Zahnrädchen. Viel Spaß beim Betrachten!



Der Kurs endete für uns alle mit dem guten Gefühl: Ich kann helfen, denn ich weiß, was zu tun ist! Wer weiß, vielleicht rette ich ja mal meinen eigenen Eltern, Geschwistern oder meiner besten Freundin damit das Leben.

 

Wir danken Nadine von Pro Medic für ihre Geduld und Ausdauer mit uns. Wir waren sicher keine leichten Kursteilnehmer - dafür aber kreative, spaßige und dankbare Lehrlinge.
2017/2018 werden wir wieder einen Kurs bei Nadine beantragen, das wissen wir jetzt schon!

Aber nun geht es erst einmal weiter mit den kommenden Aktivitäten von Einstig:
13.02.2016: Vorbereitungen für das Steampunk-Fotoshooting, Karlsruhe
27.02.2016: DIY-Basteltag - Resteverwertung, Karlsruhe
19.03.2016: Steampunk-Fotoshooting, Annweiler
Falls Du Lust hast, dabei zu sein, melde Dich einfach bei uns! 

Bis bald, Eure

1 Kommentar:

  1. Besser hätte man den gestrigen Tag nicht zusammenfassen können. Dankeschön Dani und Sylvie.

    Nadine versteht es immer wieder den Kurs mitreißend zu gestalten: keine trockene Materie aus dem Lernbuch, nein - Situationen und Erlebtes aus dem Alltag. Man bemerkt gar nicht, dass auf diese Weise ganz wichtige Sachen für die 1. Hilfe automatisch im Gehirn gespeichert werden. Im Notfall werden Nadines Bilder vor den Augen auftauchen und man wird sicher und richtig handeln. Danke Nadine

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