Sonntag, 3. April 2016

Wir begaben uns auf historische Spurensuche in die Bodenseeregion - vom Hegau über Stockach bis hin zu Meersburg

Hallo liebe Einstig-Freunde!
Gestern begaben wir uns auf historische Spurensuche rund um den Bodensee. Dass es ebenfalls eine Suche nach den ersten Frühligssonnenstrahlen werden sollte, wussten wir beim Fahrtantritt noch nicht.

Wir freuten uns alle auf einen schönen, sonnigen Frühlingstag am Bodensee. So versprach es zumindest der Wetterbericht. Dass um 7.00 Uhr morgens bei Fahrtbeginn davon noch nichts zu sehen und zu spüren war, nahmen wir erst einmal gelassen hin. So früh am Morgen, da konnte sich in Sachen Wetter ja noch alles ändern. So dachten wir und warteten auf den Frühling ... und warteten ... und warteten ... Wenn  leise ein paar Schneeflocken vom Himmel gerieselt wären, es hätte uns auch nicht mehr erstaunt.

  

Irgendwann war uns das Warten auf besseres Wetter zu eintönig, und wir beschlossen, uns einfach daran zu erfreuen, dass es nicht regnete (wie in den letzten Tagen) und die Umgebung um den Bodensee eh viel zu schön war, um solchen Gedanken hinterherzuhängen. Dennoch, wir waren um jedes Grad froh, das das Thermometer nach oben kletterte. Von 6 Grad am Morgen stieg die Temperatur dann bis zu 15 Grad im Laufe des späten Nachmittages.

  
 

Mit viel guter Laune im Gepäck fuhren wir von Karlsruhe aus los in Richtung Bodensee. Ein kurzer Tank- und Frühstücksstop in Hegau musste sein. Mit Mousse au Chocolat, Tee, Linzertorte, Flammendem Herz, Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft genossen wir die (zugegebenermaßen etwas trübe) Aussicht auf die neun Millionen alte Vulkanlandschaft. Es ist immer wieder atemberaubend, was die Natur im Laufe von Millionen von Jahren erschaffen hat.

  

So übersättigt und gestärkt fuhren wir das letzte Stückchen bis nach Stockach-Zizenhausen. Dort lag unser Ziel der Reise. Eigentlich hatten wir die Heidenhöhlen schon für letztes Jahr im September als "Einstig-Ziel" ins Auge gefasst, doch der Besuch der Burgruine Hohentwiel hatte damals Vorrang (siehe >> hier << ).


Um zu den Heidenhöhlen zu gelangen, mussten wir einem kleinen Wanderweg folgen. Dieser führte uns am heutigen Rathaus von Zizenhausen vorbei. Wir verharrten kurz vor dem imposanten Gebäude. Das historische Schlossgebäude wurde ab 1785 gebaut. 1840 wurde es an den Freiherrn von  Buol-Berenberg verkauft und diente nach und nach nur noch als Sommersitz der Familie. Der spätbarocke dreistöckig Bau mit einem kleinen Glockenturm ist von einer parkähnlichen Anlage umgeben und wurde 1936 letztlich an Zizenhausen verkauft. Seitdem dient das Haus als Amtsgebäude.

  

Der Weg zu den Heidenhöhlen war gut ausgeschildert und führte uns an schönen Landschaften vorbei. Kleine Stallungen in idyllischer Lage, ein verwunschenes Bächlein und verschlungene Waldwege wechselten sich ab. Immer wieder blieben wir stehen, um die Natur  und die Aussicht zu bewundern.

 
  
  

Kurz darauf bemerkten wir, dass sich am Wegrand Felsen auftürmten und der Weg steiler wurde. Wir hatten unser Ziel fast erreicht.

  

Die Heidenhöhlen wurden bereits 1786 in einem Gedicht erwähnt, welches über einem Eingang der Höhlen eingemeißelt ist.


Angeblich sollen hier schon vor dem Jahr 1800 römische Münzen gefunden worden sein.
1794 entstand eine Beschreibung der Landgrafschaft Nellenburg. Dort heißt es, dass ein Bauer namens Geng mit seiner Familie drei Höhlen in den Berg geschlagen hat, und dies nur mit einer Schaufel! Diese Höhlen waren mit Türen und Fenstern versehen und ineinander übergehend.
Wahrscheinlich ist aber, dass es die Heidenlöcher aber schon vor dem Ausbau durch den Bauern gab. Über deren Ursprung und Funktion ist aber nichts bekannt.
Es ist noch gar nicht so lange her, seit die Höhlen das letzte Mal als Wohnraum dienten. 1920 wohnte dort eine Familie Wieland. Sie war sehr arm und quartierte sich deswegen dort ein. Allerdings wurde die Familie von der Stadt vertrieben, nachdem der Mann Eintrittsgelder von den Besuchern verlangte.
Erst 1983 wurden die Heidenhöhlen vermessen und ins Höhlenkataster aufgenommen.

 
   
 

Mit Taschenlampen bewaffnet erkundeten wir die Umgebung der Höhlen.

  

In einzelne Höhlen konnten wir sogar hineingehen.

  
   
 

Allerdings konnten wir nicht das ganze Höhlensystem erkunden, denn auch heute noch wird die Höhle bewohnt und als Schlafraum genutzt.
Die Natur hat sich die Höhlen zurückerobert, und Fledermäuse nutzen die geschützten und dunklen Gänge als Überwinterungsquatier.

 

Da wir noch Lust hatten, etwas weiter zu wandern, liefen wir einen kleinen Rundweg um die Höhlen herum. Dies war eine wunderbare Gelegenheit, die Landschaft von Zizenhausen zu betrachten. Große Felder umgeben die kleine Ortschaft.

  

Während wir so die Waldwege entlangliefen, lauschten wir den Vögeln und kamen selbst ins Gespräch. Wir hofften inständig, dass die Vögel nicht auch auf unser Gezwitscher lauschten, denn bedingt durch die gute Stimmung kamen wir auf die sonderbarsten Gesprächsthemen. Von "Sparwitzen" war plötzlich die Rede, z. B.: "Rollt eine Kugel um eine Ecke und kippt um" oder "Treffen sich zwei Parallelen". Noch ein Beispiel? "Blau ist grüner als Gelb ..."
Diese Sparwitze riefen uns auch die Plakate an den Autobahnbrücken in Erinnerung, welche wir gerade noch durchfahren hatten. Dort gab es Sprüche gegen das Rasen und machten auf ein vorsichtiges Fahren aufmerksam. Allerdings waren die Sprüche fast den Sparwitzen angepasst.
"Fahr langsam! Rasen gehört in den Garten!", "Fahr langsam! Geheitzt wird nur der Ofen!" oder "Ich fahre mit Verstand! Weil wir keine Dummys sind!".

So verlief die kleine Wanderung rasend schnell, und wir merkten kaum, dass wir schon 6 km zurückgelegt hatten. Zum Glück zeichnete Sylvie die Wanderstrecke mit der Handyapp "Komoot" auf. Dort kann man genau sehen, wie wir gelaufen sind, welche Höhenmeter es zu überwinden galt und wie lange es dauerte. Fotos ergänzen diese Aufzeichnung. Wer Lust hat und auch mal die Strecke nachwandern mag, kann sich gerne  diesen Link anschauen: >>hier<<.


Da der Tag noch jung war, fuhren wir weiter in einer der schönsten, mittelalterlichsten Städte am Bodensee: Meersburg.
Die CD von "Die Jungs vom Bodensee" lief im CD-Player, als wir diese Richtung einschlugen; gibt es doch keine tolleren Lieder, um sich auf den See einzustellen. Ein  Lied von ihnen, das nicht nur gute Laune verbreitet (die wir zwar schon hatten, aber gerne noch mehr in uns aufnahmen), sondern auch perfekt zu unserer Bodenseeleidenschaft passt, ist  >>  hier << zu finden.


Schon von der Bundesstraße aus konnten wir einen Blick auf den See erhaschen. Leider strahlte uns kein blau-grün-glitzernder See entgegen. Wir konnten kaum den See vom Himmel unterscheiden und das andere Ufer ausmachen. Alles wirkte wie Ton in Ton gezeichnet.

  

Doch davon ließen wir uns die Stimmung nicht vernebeln. Die alten Gasse, Fachwerkhäuser und die Burg Meersburg zogen uns erneut in ihren Bann. Wenn man Meersburg betritt, fühlt man sich ein Stück weit ins Mittelalter hineinversetzt.

    

Bevor wir uns etwas Ruhe bei einem Mittagessen gönnten, führten wir Laudine noch zu einer kleinen, versteckten Schlucht in Meersburg. Von Touristen weitestgehend unentdeckt, beginnt der Wanderweg  in der Oberstadt über einen Aussichtspunkt, von dem man einen tollen Blick über den See und die Burg hat, und führt über die Weinberge hinein in einen kleinen Wald.

  

Allerdings zeigte sich nun überdeutlich, dass das Wetter  nicht zum "Foto machen" geeignet war. Es war sehr diesig und alles wirkte sehr blass. Der See war kaum auszumachen, da sich der weiß-graue Horizont nahtlos an die Seefläche anfügte.

Sylvie und ich sind im Sommer sehr gerne in der Schlucht und sind diesen Wanderweg schon mehr als einmal gelaufen. Mehr Infos zum Wanderweg und der Schlucht gibt es auch wieder bei Sylvies Komoot-Aufzeichnung: >> hier<<.


Die kleine Schlucht verfügt über einen Bachlauf, über den mehrere kleine Holzbrücken führen. Leider war es  zu früh im Jahr, und das grüne Blätterdach hatte sich noch nicht über die Schlucht gespannt. Auch führte der Bach wesentlich weniger Wasser als im Sommer. So plätscherte der Wasserfall eher gemächlich hinab.

  
 
 
  
  

Wenn man aus der Schlucht hinaustritt, ist man gleich wieder am Seeufer. Von einer kleinen Bucht aus hat man einen tollen Blick über den See und die Fähren, die ununterbrochen Richtung Konstanz durch das Wasser stampfen. Inzwischen war etwas Sonne herausgekommen und wärmte unsere kalte Haut.

  

Allerdings waren die Lichtverhältnisse immer noch sehr schwierig, um gute Fotos zu machen. Manche Fotos wirkten nahezu unheimlich. Die Ausflugsschiffe und Fähren strahlten eine Aura von Geisterschiffen aus, die über den See zu schweben schienen.

  

Und während wir uns noch mit dem milchigem Seewetter herumschlugen, um wenigstens doch ein, zwei gute Fotos zu bekommen, nutzte Easy die Zeit, um am Seeufer zu spielen und die Wellen zu fangen.

  

Mittlerweile war es weit nach Mittag, und unsere Mägen hatten die Mousse au Chocolat von heute Morgen längst verdaut. So suchten wir uns ein kleines, aber feines Lokal in Meersburg, um dort zu Mittag zu essen. Von der Terrasse der Pizzaria aus hatten wir einen tollen Blick auf den Meersburger Hafen, die Schiffe der Weißen Flotte und den See. Der Wind war zwar noch etwas frisch, aber die vereinzelten Sonnenstrahlen verlockten uns dazu, im Freien zu essen.

  

So gestärkt stürzten wir uns nun in die Meersburger Läden. Die freundliche Art der Einheimischen und Ladenangestellten machte es uns leicht, Geld auszugeben. Hier ein Blechschild, dort ein paar Ohrringe, hier vorne einen Anhänger und dort hinten Wein und Marmelade. Ach ja, und noch mal zurück um die Ecke, um die Meersbuger Kanonenkugeln zu holen.

  

Zum Ausruhen zogen wir uns in eine Eisdiele zurück. Mit Blick auf den See stärkten wir uns für die bevorstehende Rückfahrt. Dass diese noch etwas nach hinten hinaus verzögert wurde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

Die Zeit flog nur so dahin. Und wäre es in unserer Macht gelegen, hätten wir die Uhr einfach noch mal etwas zurückgestellt.
So nutzten wir die verbleibenden Minuten, um uns an die Uferpromenade von Meersburg  zurückzuziehen und uns ein paar Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen zu lassen.

  

Wobei "zurückziehen" nicht ganz korrekt ist. Denn immer wieder sprachen uns Menschen an, die wissen wollten, was für eine Rasse Easy ist, ob man sie streicheln dürfte oder wie alt sie sei. Auch vernahmen wir immer wieder frohes Gelächter, wenn die Touristen sahen, dass Easy ein echter "See-Hund" war.

  

Nun sollte es aber wirklich Richtung Parkplatz zum Auto gehen. Aber nachdem unsere Bäuche immer noch so voll waren von den riesigen Portionen Crèpes, Eis und Tiramisu, war uns klar: Mit so vollen Bäuchen konnten wir noch nicht wieder losfahren! Ein kleiner Verdauungsspaziergang musste noch mal her. Ob wir dies nur als "Ausrede" benutzten, um damit "Wir wollen noch nicht heim!" zu signalisieren, das sei mal dahingestellt. Auf alle Fälle kamen wir nun auf die glorreiche Idee, über die Weinberge zurück zum Parkplatz zu laufen.
Mit vollen Bäuchen und schweren Rucksäcken voller Einkäufe war dies dann doch ein anstrengendes, aber mehr als lohnendes Unterfangen.

 
 

Der Blick, welcher sich uns bot, war einfach einzigartig. Zwar hatte sich der Dunst immer noch nicht verzogen, aber die Sonne glänzte nun im Wasser, und vereinzelt waren Seegelboote unterwegs.

 
 

So dehnten wir unseren Spaziergang über die Weinberge einfach etwas aus und besuchten noch die Kriegsgräbergedenkstätte auf dem Lerchenberg. Dort liegen Soldaten begraben, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Ein würdiges Andenken an diese Männer, die in viel zu jungen Jahren ihr Leben lassen mussten.

 

Dieser Aussichtspunkt war auch die letzte Etappe unsere Bodenseereise am 02.04.2016. Über einen steilen Weg gelangten wir wieder hinab ans Seeufer. Unsere Schritte wurden langsamer, den eigentlich wollte keiner von uns heim fahren und jeder hoffe, noch die eine oder andere Minute hinauszögern zu können.


Ein Gedanke tröstete uns alle: Wir haben für 2016 noch zwei weitere Besuche in dieser geschichtsträchtigen Region geplant:

>> 18.06.2016: Stadtbesichtigung Meersburg, evtl. mit Burgruine Alt-Bodmann
und
>> 16.07.16: Von Meersburg nach Konstanz/Staad und zu Fuß nach Konstanz City

So bestiegen wir das Auto und fuhren zurück. Es dauerte nicht lange, und wir hörten ein wohliges, tiefes Atmen von der Rückbank.
Easy wurde von Laudine in den Schlaf gestreichelt und träumte von ihrem Tag am Bodensee.

Evtl. sah es so im Traum unseres Hündchens aus:


(Bessere Qualität lässt sich am "Zahnrädchen" einstellen)

Und auch wir wurden immer müder. Sylvie, unsere Fahrerin, fuhr uns sicher über die Autobahn zurück ins heimische Karlsruhe. Zum Glück kamen wir ohne Stau durch und waren so um kurz nach 20.00 Uhr wieder zu Hause
.

Auch wenn wir nun wieder zurück sind von unserem Ausflug, so ist die "Einstig-Reise" noch lange nicht beendet. Neue Aktivitäten, Wanderungen und Abenteuer erwarten uns.
Begleitet uns doch dabei. Ihr seid herzlich eingeladen mitzukommen. Wir sehen uns also wieder!

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