Sonntag, 17. Juli 2016

Von Blitzeinschlägen und wundersamen Rettungen – Eine Wanderung ins Mittelalter


Wenn man sich an einem Samstag darüber freut, dass der Wecker klingelt, und wir uns in aller Frühe ins Auto setzen, dann kann das nur bedeuten: Wir fahren wieder einmal an den Bodensee. Unser letzter Ausflug nach Konstanz ist erst wenige Wochen her, und schon zieht es uns wieder an den See.
Wie immer legten wir für ein leckeres zweites Frühstück einen Zwischenstopp im Hegau ein. Der ist inzwischen schon zu einem Muss geworden. Der Bodensee ohne vorherigen Genuss von Linzertorte, Schokomousse oder Orangensaft, das geht gar nicht. Für große Erheiterung sorgte die Tatsache, dass Sylvie an der Zapfsäule 2 zufälligerweise genau für 22,22 Euro tankte. Das soll uns mal einer nachmachen. :-)

Gut gestärkt legten wir auch noch die letzte Wegstrecke bis Bodman zurück. Das Örtchen liegt ganz am Ende des Bodensees. Wir haben ja eigentlich gerne etwas „mehr See“ vor Augen, aber dieser sollte bei unserer bevorstehenden Wanderung ja auch nicht die Hauptattraktion sein. Am Berghang hoch über Bodman thront die Burgruine Altbodman aus dem 14. Jahrhundert, „Nachfolger“ einer anderen Burg aus dem  12. Jahrhundert, die 1307 aufgrund eines Blitzeinschlags zerstört wurde. Um dieses Unglück rankt sich eine erstaunliche Geschichte: 1307 schlug während eines Festes der Blitz in die Burg ein und setzte das Gebäude in Brand. Dabei kamen sieben Familienangehörige
sowie drei Bedienstete um. Allein das jüngste Kind, der einjährige Johannes von Bodman, überlebte den Brand, da ihn seine Amme in einen Topf legte und den Hang hinunterwarf. Der Kessel blieb im Geäst hängten, und das Kleinkind wurde lebend geborgen.

Auf den Spuren dieser Geschichte wollten wir wandern. Am Parkplatz in Bodman führte der Wanderweg erst einmal in ein "dunkles Loch" aus Geäst und Sträuchern - sehr passend für eine kleine Zeitreise.

 

Schnell merkten wir, dass wir uns auf einem Kreuzweg befanden. Denn der steile Weg war zick-zack-förmig angelegt, und an jeder Biegung stand ein Holzkreuz, das Christus' Gang zum Kreuz symbolisierte.

  

Nach einiger Zeit stießen wir zwischen den Kreuzen auf einen Gedenkstein. Er erinnerte uns an den Brand 1307 und die ungewöhnliche Rettung des kleinen Johannes im Kessel. 

    

Den großen Topf kann man wohl in Schloss Bodman besichtigen, dorthin haben wir es aber nicht geschafft.

Anstelle der ausgebrannten Burg ließ der Großvater des kleinen Jungen eine Kapelle errichten. Heute steht dort das Kloster Frauenberg. Wir erwarteten nicht allzu viel vom Kloster, wurden jedoch positiv überrascht. Das Kloster ist ein wunderschönes Gebäude mit einer beeindruckenden Aussicht auf den See hinab. Und ebenso beeindruckend ist der Klostergarten mit seinen wundervollen Blumen. Hier oben in absoluter Stille kann man wirklich zur Ruhe kommen.

   
   

Am gegenüberliegenden Hang konnten wir bereits die Reste der neuen Burg sehen, die im 14. Jahrhundert erbaut worden war. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört, die Ruine seit dem 19. Jahrhundert jedoch immer wieder saniert.


Nach einem angenehm flachen Wegstück, das zu unserer Überraschung Teil des Jakobswegs ist, kamen wir schon bald an der Ruine an.

 
 
 
Auch hier waren wir erst einmal die einzigen Wanderer und konnten den Ort voll und ganz auf uns wirken lassen. Wir bestaunten die Einkerbungen in den Mauerresten, die uns die Stellen markierten, an denen früher die Balken für Böden und Decken eingelassen waren. Wir kämpften uns durch - zugegebenermaßen doch etwas zu dichtes - Dickicht. Und wir genossen wieder die herrliche Aussicht über den Bodensee und hinüber zum Kloster Frauenberg.

 
 
   
 


Beim Abstieg ins Tal stellten wir fest, wie vorteilhaft die Entscheidung gewesen war, den Rundweg über das Kloster zu starten und von der Burg aus ins Tal zurückzukehren. Der Aufstieg zur Burg wäre deutlich länger, steiler und holpriger gewesen.

 

Unsere Wanderung zeichnete Sylvie mit der App Komoot auf. Wer sich für die Wegstrecke und Detailinformationen interessiert, kann sie >> hier << einsehen.
Mehr Informationen zur Burgruine Altbodman findet man auf  >>Wikipedia<<.

Nach der schönen Wanderung machte sich langsam aber sicher der Hunger bemerkbar. So zog es uns wieder einmal an unseren Lieblingsort am Bodensee: Meersburg. Nach dem Essen mussten wir jedoch feststellen, dass uns die Wanderung eigentlich noch nicht genug Bewegung verschafft hatte. Also auf nach Hagnau! Über Hagnau und seine alte Kirche haben wir schon ein anderes Mal im Blog berichtet. Über die Weinberge, immer mit Blick auf den See, liefen wir bei herrlichstem Sonnenschein nach Hagnau - vorbei am Christus-Brunnen und dem Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege, wo uns die großen Bäume ein wenig Schatten spendeten.

 


In Hagnau angekommen wurden wir magisch vom See angezogen. Schon lange sprachen wir davon, einmal Tretboot fahren zu wollen. Aber jedes Mal kam uns irgendetwas dazwischen. Diesmal jedoch war die Gelegenheit einfach perfekt. So traten wir kräftig in die Pedale und fuhren hinaus auf den See. Sylvie trug die Verantwortung für's Steuern, denn niemand kann so grazil im Kreis fahren wie sie. Und kaum jemand klettert so wagemutig über das Boot ohne nass zu werden wie Dani. (Wobei das nicht schlimm gewesen wäre, denn schließlich hatte sie Ersatzsocken dabei. Die brauchte dann allerdings ich, nachdem mich beim Versuch, Easy einzufangen, eine wahrhaft riesige, unbeschreiblich große, monströse Welle erfasst hatte. Na ja, meine Schuhe jedenfalls ...)

 
 

Nachdem wir festgestellt hatten, dass Tretoboot fahren ein bisschen anstrengend ist - zumindest für die, die treten müssen - lenkte uns Sylvie sicher zurück an den Anlegesteck. Nun hatten wir uns ein Eis am Seeufer verdient, bevor wir uns auf den Rückweg machten.
Zurück in Meersburg machten wir wieder einen Abstecher in die alten Gassen hoch über dem See und genossen das historische Flair rund um die Meersburg. Wie beeindruckend die Meersburg von innen aussieht, konntet ihr ja schon ein andermal auf diesem Blog sehen.


Der Abschied von den Burgen und dem See fiel uns am Abend entsprechend schwer. Aber wir wissen ja: Wir kommen wieder, schließlich gibt es noch viel Spannendes am See zu entdecken.
Erinnert ihr euch noch an die 22,22? Sylvie und Dani parkten ihr Auto pünktlich um 20.02 Uhr vor dem Haus. :-)

Sylvie hat wie immer die Kameralinse schweifen lassen und die Eindrücke der Burgruine und dem Bodensee in einem Video festgehalten:



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