Montag, 10. Oktober 2016

Eine schöne (wenn auch leider verregnete) Herbstwanderung zu einem über 150 Jahre altem Turm

Hallo liebe Einstig-Freunde!

Oktober ist Herbstwanderung-Zeit! Wie in den vergangenen zwei Jahren waren wir auch dieses Mal wieder dabei.
Haben wir die Jahre zuvor doch die besten Erfahrungen gemacht.
Zum Einen war es immer lustig und unterhaltsam gemeinsam durch den Pfälzer Wald zu stiefeln und sich dabei immer wieder zu bücken um Kastanien zu sammeln.
Zum Anderen war es immer lehrreich - und das ganz neben bei. Wir erfuhren viel über den Pfälzer Wald, alte Grenzsteine und historische Orte.
     

2014: Eine "Keschdewanderung" durch den Pfälzer Wald ... Es muss nicht immer Mittelalter sein - und doch hat es mit Historie zu tun!
2015: Eine herbstliche Wanderung mit vielen Infos, leckeren "Keschde" und "Neuem Woi"

Dieses Jahr sollte uns die Wanderung von Bindersbach aus zum Rehberg und dem darauf stehendem Rehbergturm führen.
  
Der vorausgegangene Zeitungsbericht versprach wieder beste Unterhaltung und weckte in uns allen die Vorfreude.
Keschde-Fest beim Brauchtum-Verein 
Schon wieder spielt – nach der Traditionellen Kerwe - in Bindersbach die 10 eine Hauptrolle: Zu seinem 10. Keschde-Fest lädt der Bindersbacher Brauchtum e. V. ganz herzlich ein. Geschichte, Natur und Genuss bilden an zwei Tagen ein abgerundetes Programm.Am Freitag, 7. Oktober kommt Lokalhistoriker Günter Frey um 19:30 Uhr ins Dorfgemeinschaftshaus (ehemalige Schule, Münzstraße 24) und erzählt die Geschichte des 154 Jahre alten Rehbergturmes. Lebendig gestaltet wird der Vortrag durch eine passende Bilderpräsentation. Der Eintritt ist frei. 
Am Samstag, 8. Oktober, geht die Herbstwanderung, geführt von Günter Frey und Gérard Salmon, zum 576 m hoch gelegenen Rehbergturm. Abmarsch ist, bei jedem Wetter, um 13:30 Uhr am Festplatz in Bindersbach. Auch nicht besonders geübte Wanderer können bei dieser ca. 8 km langen Tour gut mithalten. Festes Schuhwerk ist für unsere pfälzische Landschaft immer empfehlenswert. Für Kinderwagen eignet sich die Wanderstrecke jedoch leider nicht. Das Mitwandern ist selbstverständlich umsonst, aber nicht das Hinaufsteigen auf den 12 m hohen Rehbergturm und die ungehinderte 360-Grad-Aussicht.Nach so viel Natur pur dürfen sich die Wanderfreunde dann auf das gemütliche Beisammensein am Lagerfeuer oder im Zelt auf dem Bindersbacher Festplatz freuen. Ab 17:30 Uhr sorgt der Brauchtum-Verein bestens für das leibliche Wohl der müden Heimkehrer und selbstverständlich auch aller daheimgebliebenen „Fußkranken“. Zum 10. Male wird Franz dieses Jahr wieder die stets heißbegehrten Keschde über dem Lagerfeuer rösten. Dazu ein Schoppe „Neuer!“ - Prost auf ein buntes Keschde-Fest! (bsa)
Pünktlich um 13.30 Uhr trafen wir uns alle in Bindersbach auf dem Kerweplatz ein.
Der Bindersbacher Brauchtumverein hatte schon alles vorbereitet um später den Abend im Festzelt bei "Keschde und Neuem Woi" ausklingen zu lassen.
  
 
Gérard begrüßte, als 1. Vorsitzender des Vereines, alle Anwesenden und gab einen kurzen Überblick über den Verlauf der Wanderung.

  
So sah die Wegstrecke aus, die wir also in Angriff genommen haben.
Je nach Alternativroute war das ein Wanderung von 7,8 km - 8,5 km quer durch den Pfälzer Wald.
Dann ging es auch schon los.
Egal ob Jung oder Alt, Zwei- oder Vierbeiner, alle waren bester Laune und man vernahm schnell das Lachen und Plappern der Wanderer.
  
Die gute Stimmung und die wunderbare Landschaft lässt sich gar nicht so leicht in Worte fassen. Deswegen hat Sylvie wieder einen Clip gedreht, in dem Ihr alles in bewegten Bildern sehen könnt.

(die Qualität kann man unter den Einstellungen/Zahnrädchen verbessern)
  
Im Vorfeld wurde natürlich auch viel über das Wetter spekuliert. Von "Es soll kein Regen geben, sagt der Regenradar" bis hinzu "Nur 15% Regenwahrscheinlichkeit sagt die App", gab es die unterschiedlichsten Aussagen. In weiser Voraussicht wurden Regenschirme und Regenmäntel zwar eingepackt, aber daran geglaubt, dass wir diese auch wirklich nutzen würden, hat keiner so richtig. Dass es letztendlich doch wie aus Eimern schütten würde, das hatte keine noch so schlaue Wetterapp voraus gesagt.

Doch das noch recht dichte und grüne Blätterdach der Laubbäume schützte uns eine ganze Zeit lang vor dem Nass von oben.
Dann merkten wir langsam den steilen Aufstieg zum Rehberg. Die Gespräche wurden kurzatmiger und wir kamen ins schwitzen. Nun ja, einige hundert Höhenmeter sind ja auch keine Kleinigkeit.

Der Rehberg ist mit 576 m ü. NHN der zweithöchste Berg des Südteils des Pfälzer Waldes. Wenn man nur den deutschen Anteil des Wasgaus nimmt, ist er sogar die höchste Erhebung.
Die prägnate Bergpyramide des Berges ist in erster Line Buntsandstein und Zechstein, welche sich im ausgehenden Perm (vor über 250 Millionen Jahren) abgelagert haben.
   
Nach kurzem Marsch erreichten wir die Rehbergquelle.
Sie ist auf 500 m ü. NN die höchst gelegene Quelle in der Pfalz.
  
1913 errichtete der Pfälzer Wald Verein über den vorhandenen Brunnen eine Schutzhütte.
 
Erst am 17. September wurde die zugewachsene Quelle von vielen ehrenamtlichen und fleißigen Helfern anlässlich des "Wir schaffen was" Tages gesäubert und hergerichtet.
So erstrahlte sie in nahezu neuem Glanz.
Gérard erklärte uns, dass noch in den 60er Jahren die Quelle auch "Kindelsbrunnen" hieß, da den Kindern erzählt wurde, das der Klapperstorch die Babys dort aus dem Wasser fischen  und zu den Familien bringen würde. Man bräuchte nur an das Türchen, hinter der Quelle, zu klopfen und der Wunsch ginge in Erfüllung.
Nach kurzem Rast an der Quelle, welche uns durch ihr frisches und sauberes Wasser wieder Kraft schenkte, ging es auch schon weiter zum eigentlichen Ziel der Wanderung. Es ging, erneut, bergauf...
 
 
Vorbei ging es an großen Sandsteinfelsen und an kleine Wunder der Natur. Aber auch an alte Grenzsteine, welche stumme Zeugen der Vergangenheit waren.
   
   
Oben angekommen entschädigte der Blick für alle Mühen. In der Mitte des Felsplateaus stand stolz aufgerichtet der Rehbergturm.
Herr Frey, ein Lokalhistoriker aus Annweiler,  hielt einen kleinen Vortrag mit vielen Infos zum Turm und seiner Entstehung.
  

Wir erfuhren, dass der Name "Rehberg" nichts mit dem Waldtier Reh zu tun hat sondern sich aus dem Begriff "Rech" herleitet, welcher im pfälzischen Dialekt sowas wie einen steilen Abhang bezeichnet.
154 Jahre ist der Turm nun schon alt, um genau zu sein fand am 17. September 1862 die Einweihung (nach nur fünf Monaten Bauzeit) statt.

Es muss eine schweißtreibende Arbeit gewesen sein, die Steine und das Baumaterial  auf den Berg zu schaffen und dort zu bearbeiten. Aber es wurde solide Arbeit geleistet, denn, um ehrlich zu sein, das  Alter sieht man dem Turm aus Sandstein gar nicht an!  Er wirkte gut gepflegt und völlig in Schuss. So dass wir keinerlei Bedenken hatte, die Stufen hinaufzusteigen.

Der Rehbergturm an sich ist 14 Meter (inkl. Brüstungskrone und Sockel) hoch und achteckig, aus Sandstein gebaut.
Er wurde im "goldenen Schnitt" gebaut, was soviel bedeutet, dass er sehr symetrisch ist. Er hat acht Seiten. Jede davon ist 1,50 Meter lang. Alle Seiten zusammen genommen ergeben also 12 Meter. Der Turm alleine (ohne Brüstung und Sockel) ist ebenfalls 12 Meter hoch.
Sprich, wer einmal um den Turm herum läuft, der hat die gleiche Distanz überwunden, wie wenn man die Stufen hinauf auf den Turm steigt.
Um ihn zu erklimmen, muss man erst die Wendeltreppe mit 49 Stufen hinauf und zum Schluss noch einmal eine Freitreppe aus neun Stufen.
 
Wer sich die Mühe des Aufstieges macht, wird mit einer wunderbaren Weitsicht belohnt! Man hat einen Panoramblick über den Pfälzerwald welcher sonst nicht anzutreffen ist (da wie oben schon erwähnt, der Rehberg der höchste Berg der näheren Umgebung ist). Die Bergkuppen die man von oben aus sehen kann sind unzählbar.
Leider war unser Blick am Samstag etwas wolkenverhangen. Und auch der peitschende Regen und der zugige kalte Wind, welcher uns oben um die Nase wehte, machte den Ausblick nicht angenehmer. Dennoch waren die Regenwolken und ihre Formationen sehr beeindruckend und tauchten die Umgebung in ein wahrlich mystisches Licht.
  
Im Nordwesten sieht man den Asselstein, Ebersberg und die Berglandschaft des Pfälzer Waldes.
Im Norden und Nordosten kann man einen Blick auf die Stadt Annweiler werfen, welche von oben betrachtet sehr romantisch mitten im Wald gelegen ist. Auch die historische Reichsburg Trifels kann man sehr gut sehen. Mehr über Annweiler und die Burg Trifels habe ich Euch ja schon beim Bericht über das Richard Löwenherz Fest erzählt (>> hier zu finden <<).
Im Osten und Südosten konnten unsere Augen weitere Burgen erblicken: Neukastel, Madenurg, Landeck, bis hin zum Lindelbrunn im Südwesten.
Im Süden sieht man die typischen Merkmale des Wasgaus.
Auch die Oberrheinische Tiefebene bis hin zum Odenwald, Schwarzwald und die Vogesen lassen sich vom Rehbergturm aus sehen.
Fröhlich winkten wir in Richtung Karlsruhe und suchten nach uns bekannten Anhaltspunkten.
  
 
Dann hieß es Abschied nehmen vom Rehbergturm und der tollen Aussicht.
Der Heimweg stand an.

  
  
Unaufhörlich ging es nun bergab Richtung Bindersbach.
Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir noch weitere Stunden durch den Pfälzer Wald streifen können. Doch nicht nur die vorher angekündigten "Keschde mit Neuem Woi" zogen uns dann  zurück zum Kerweplatz, nein auch die Aussicht auf ein warmes und trockenes Plätzchen im Zelt waren mehr als verlockend.
So ging es über den "Zick-Zack-Weg" vorbei  am Jehlestein und dem 1911 erbauten "Kurhaus", zurück ins Tal.
Glücklich und zufrieden suchten wir uns einen Platz im liebevoll dekoriertem Festzelt und ließen den Abend ausklingen. Neben gerösteten Keschde gab es noch andere Gaumenfreuden zu essen.
 
  
  
Erst als es schon längst dunkel war, machten wir uns nach und nach auf den Heimweg.
Wir verabschiedeten uns mit der Gewissheit: "Nächstes Jahr sind wir wieder mit dabei!"
  

Unser Dank gilt  dem Bindersbacher Brauchtum Verein für die toll organisierte Wanderung und das Fest im Anschluss.

Nach dieser Wanderung steht schon der nächste Ausflug an. Dieses mal in die entgegengesetzte Richtung - nämlich zum Bodensee. Näheres dazu könnt Ihr in unserem Aktivitäten-Forum lesen.
EDIT: Leider muss der Ausflug ausfallen, da die A8 zum Teil voll gesperrt wird! Wir gehen davon aus, dass die Umleitungen ebenfalls dicht sein werden. Für einen Tagesausflug ist dies dann nicht lohnend. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Wir werden es nachholen!

Auch davon werden wir Euch wieder berichten.
Bis dahin,

Infos und Daten aus diesem Blogbeitrag stammen zum Teil von
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Rehberg_(Wasgau)
Brigitte Salmon: www.bindersbach.de 
Günter Frey und
Gérard Salmon
Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

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