Samstag, 29. Oktober 2016

Lassen Sie den Dummy in Ruhe!

Am vergangenen Wochenende machten wir uns wieder einmal auf an den Bodensee. Die Fahrt kennen wir ja inzwischen in- und auswendig, aber zu unserem Schreck mussten wir feststellen, dass die lilafarbenen "Drachen"eier aus dem Riesennest neben der Autobahn verschwunden sind. Vielleicht hat Sylvie ja Recht mit ihrer Vermutung, dass die Drachen geschlüpft sind. Aber das war es dann auch schon mit der Dramatik während der Fahrt. :-) Wie immer starteten wir den Tag gemütlich mit einem zweiten Frühstück im Hegau, und schon dort stellten wir fest: Es ist kalt! Und man sieht nix! (Der Nebel war schuld.)

Ach, welcher Dummy in Ruhe gelassen werden will? Dazu später mehr ...

Erst einmal fuhren wir zur Barockkirche Birnau.


Direkt oberhalb des Bodensees gelegen bietet sie eigentlich ein tolles Fotomotiv – wenn man denn etwas vom See gesehen hätte.

 

Bereits im Mittelalter gab es in der Nähe der heutigen Kirche eine kleine Wallfahrtskirche. Dort wurde im 15. Jahrhundert eine Marienstatue aufgestellt, der nachgesagt wurde, dass für Wunder vollbringen könne. Dies führte dazu, dass immer mehr Pilger zu der Kirche strömten, weshalb sie im Laufe der Zeit mehrmals erweitert wurde. Da die umgebenden Grundstücke aber der Reichsstadt Überlingen gehörten, gab es wiederholt Streitigkeiten mit der Stadt.

 
  

Schließlich entschloss man sich im 18. Jahrhundert zu einem barocken Kirchenneubau auf kircheneigenem Grund. Dass die Marienstatue in den neuen Kirchenbau „umzog“, stieß jedoch auf großen Protest und sorgte dafür, dass deutlich weniger Menschen nach Birnau pilgerten. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dann das Kloster Salem und damit auch die Klosterkirche geschlossen. Erst 1919 wurde sie wieder für Gottesdienste geöffnet und ist heute ein bedeutender Wallfahrtsort. 
Wer noch mehr über Birnau wissen möchte, findet einen ausführlichen Artikel bei >> Wikipedia <<.
  
 
   
Unser zweites Ziel war der KZ-Friedhof ganz in der Nähe der Kirche. Im Zweiten Weltkrieg mussten Häftlinge ein Stollensystem bei Überlingen graben, in dem die Rüstungsbetriebe Waffen herstellen sollten. Viele Menschen starben dabei und wurden in Massengräbern verscharrt. Nach Kriegsende wurden sie identifiziert und auf eben diesen Friedhof umgebettet. Tafeln mit ihren Namen und Geburts- und Todesdaten erinnern an sie.
Leider war die Wegbeschilderung zum Friedhof nicht eindeutig, und so fanden wir uns erst einmal in einem nebligen, einsamen Waldgrundstück wieder. Das Wegkreuz und die krächzenden Krähen taten ihr Übriges, um die Szenerie ein wenig unheimlich wirken zu lassen.

 
 
 

Nachdem wir den ganzen Weg zurückgegangen waren, mussten wir feststellen, dass der Friedhof eigentlich direkt an der Bundesstraße gelegen und vom Auto aus kaum zu übersehen ist.


Zurück am Parkplatz ging es dann weiter nach Meersburg. Kaum stiegen wir dort aus dem Auto, lichtete sich auf einmal der Nebel, und die Sonne kam hervor.


Das ideale Wetter für eine Wanderung durch die Weinberge, vorbei an der Gedenkstätte für die Toten des Ersten Weltkriegs ...

 
     

... vorbei an garantiert "prähistorischen Höhlenzeichnungen" *hüstel* ...

 

... bis zum Aussichtspunkt Wilhelmshöhe.

 
 

In den Weinbergen herrschte aufgrund der Weinlese noch viel Trubel, und immer wieder tuckerte oder rauschte ein Traktor an uns vorbei.

  
  

Der Grusel aus dem Wald bei Birnau setzte sich übrigens fort: Erst mit einer Madonnenstatue und einem kopflosen Christuskind am Wegesrand, dann mit einer grausigen Lautsprecherbeschallung, die eigentlich Vögel von den Trauben fernhalten sollte. Wenn arglose Wanderer aber nichtsahnend ihres Weges gehen und plötzlich aus dem Gebüsch ein lautes Krächzen von Raubvögeln, gepaart mit dem Knarzen und Rauschen des Lautsprechers, ertönt, lachen sich die Vögel wahrscheinlich über die schreckhaften Menschen kaputt.

Über das ungewohnt menschenleere Hagnau ...

 
     

... ging der Weg zurück nach Meersburg. 

   
Dort verbrachten wir einen eher „unhistorischen“, aber entspannten restlichen Tag - zumindest nachdem Sylvie und ich unseren großen Hunger gestillt hatten und wir nicht mehr ständig von Essen in jeglicher Form sprachen. Da kreierten wir zum Leidwesen der armen Dani nämlich seltsame Sprüche wie: „"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Hungrigste im ganzen Land? Ihr meine Königin, aber Sylvie hinter den sieben Bühnchen, bei den sieben Hühnchen ist noch viiiel hungriger als ihr!"…... "„Dunkel war’s, der Mond schien helle, lautlos knurrte der Magen - nein, die Natur, als ein Imbiss blitzeschnelle, langsam um die Ecke fuhr. Drinnen saßen stehend Hühnchen, schweigend ins Dinner vertieft …“..." Ja, wir waren halt hungrig. ;-)

 
 
 


Und was hat es nun mit dem Dummy auf sich? Am Nachmittag genossen wir die Sonne am Hafen, als ein Ausflugsschiff einfuhr. Soweit nichts Ungewöhnliches, –bis plötzlich ein Mann wie von der Tarantel gestochen auf der Rehling hin- und herrannte und "„Feuer! Es brennt!“" schrie. Vom obersten Deck quoll tatsächlich etwas hervor, was jedoch mehr wie Nebel als wie Rauch aussah. Genauso schnell, wie das Szenario begann, endete es auch wieder. Auf einmal schwieg der Mann, der Nebel löste sich auf, und das Schiff fuhr wieder aus dem Hafen hinaus –- um dort zwei Minuten lang vor der Hafeneinfahrt zu warten und dann wieder hineinzufahren. Und erneut begann der Mann "„Feuer!“" zu rufen. Inzwischen machte sich Erheiterung unter uns „Zuschauern“ breit, denn nun hatten wir alle verstanden, dass es dort nicht wirklich brannte. Zunächst glaubten wir noch an Dreharbeiten. Als immer mehr Feuerwehrautos eintrafen, erkannten wir jedoch, dass es sich um eine Übung handelte. Die sorgte bei uns allen aber eher für Belustigung, da auf dem Schiff kaum "Passagiere" waren, und nur eine einzige Person "panisch" wirkte. Der Mann gab aber auch wirklich alles, während er immer wieder "„Ich habe Angst!“" schrie und sich an der Reling festklammerte.

 

Und dann hatte der Dummy seinen Einsatz: Draußen vor der Hafeneinfahrt sollte eine Art Boje einen Passagier darstellen, der über Bord gegangen war. Den wollte aber plötzlich  ein gar nicht an der Übung beteiligtes Boot retten. So schrie eine Frau vom Schiff aus: „"Lassen Sie den Dummy in Ruhe! Das ist ein Übungsobjekt."“ Dieser Satz war dann den restlichen Tag über unser Running Gag. Flugs fuhr ein Polizeiboot zu den Rettern, wohl um sie zu ermahnen, ja nicht den Dummy zu retten. Einige Minuten später erschien dann die DLRG, die den armen Dummy dann endlich hochoffiziell aus dem Wasser ziehen durfte.

 

Grundsätzlich halten wir solche Rettungsübungen selbstverständlich für sehr sinnvoll, und wir nehmen ja selbst regelmäßig an Erste-Hilfe-Kursen teil. Aber die Kombination aus all diesen Gegebenheiten sorgte bei den vielen Schaulustigen am Hafen für ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

Auf eine schräge Art passend war dann noch das Plakat, das wir später in Hafennähe hängen sahen: „Das Horror-Schiff“ wurde dort angekündigt (und warb für eine Halloween-Veranstaltung). Viel Grusel an diesem Tag!

Am Abend hieß es dann für dieses Jahr wehmütig Abschied nehmen vom Bodensee. Aber: Wir kommen wieder, keine Frage! :-)

 

Wie immer hat Sylvie einen Videoclip zu diesem Tag erstellt:


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