Dienstag, 17. Oktober 2017

Unsere vierte Herbstwanderung und Keschdefest in Bindersbach - es war ein stimmiges Fest mit vielen schönen Highlights!

Hallo Einstig-Freunde.
Am Wochenende war es wieder soweit.
Zum vierten Mal nahm Einstig bei der Herbstwanderung des Brauchtum-Vereins Bindersbach e.V. (www.bindersbacher-brauchtum.de) teil.

08.10.2016: Herbstwanderung und Keschdefest in Bindersbach
10.10.2015: Herbstwanderung in Bindersbach
11.10.2014:  Keschdewanderung in Bindersbach/Annweiler

  
Schon bei den letzten Wanderungen lernten wir Interessantes über den Pfälzer Wald und seine Geschichte kennen. Wir genossen schöne Aussichten und sammelten unterwegs Kastanien (oder "Keschde", wie es in der Gegend um Bindersbach heißt). Im Anschluss luden ein Lagerfeuer, neuer Wein und frisch geröstete Keschde noch zum Verweilen im Örtchen Bindersbach ein.
 
Bevor ich Euch von der diesjährigen Wanderung erzähle, möchte ich Euch kurz in die Geschichte des Örtchens Bindersbach entführen.
2006 feierte Bindersbach sein 700-jähriges Bestehen. Somit ist der kleine "364 Seelen"-Ort (Stand Januar 2017) bei Annweiler am Trifels älter als Karlsruhe, welches 2005 erst sein 300-jähriges Bestehen feiern konnte.
Das älteste Schriftsstück, welches den Ortsnamen "Bendersbach" erwähnt, ist von 1306. Die Schreibweise und Aussprache des Ortsnamen änderte sich im Laufe der Zeit noch einige Male, wie Ihr auch gleich im Folgenden lesen werdet.

Bindersbach war im Laufe der Geschichte einige Jahre auch gänzlich unbewohnt, um nicht zu sagen ausgestorben. 1622, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg standen die 5 Häuser von  "Bintersbach" (wie es damals hieß) leer. Erst nach 1670 ließen sich wieder ein paar wenige Menschen im Dorf nieder.
"Pintersbach" (so hieß der Ort 1709) war auch eine zeit lang "herrenlos" (also in niemandes Besitz).
Da merkt Ihr schon, wie "unwichtig" das kleine Dörfchen war. Und so könnt Ihr Euch auch sicher denken, dass in so einem kleinen Dorf ganz andere Dinge für "große Schlagzeilen und Aufregung" sorgen, als in Großstädten.
Hier mal einige der wichtigsten Ereignisse des Dorfes:

- 1812: Einen Kirchturm als Unterkunft für die Bindersbacher Glocke gab es noch nie in diesem Dorf, wohl aber wurde 1807 ein Schulhaus mit einem Glockenturm gebaut, worin sie als „Schulglocke“ im Jahre 1812 ihren Platz fand. Noch heute kann man diese Glocke pünktlich um 12 Uhr zur Mittagszeit und u. 18 Uhr zum Abendruf schlagen hören.

- 1923: Die Beleuchtung von Bindersbach erfährt durch die Einführung des elektrischen Lichts eine riesige Verbesserung.

- 1954: Der erste Fernseher im Dorf war sogar einen Zeitungsbericht wert:
Mehr zu der Geschichte des Dorfes könnt Ihr auf der Homepage www.bindersbach.de nachlesen!

Ein Blick von der Reichsburg Trifels herab zeigt, wie sich das kleine Dorf mitten in ein Tal des Pfälzer Waldes einschmiegt. Keine Industrie stört diese Idylle welche gerade einmal 144 Häuser zählt. Das Klima, die Ruhe und die Lage scheinen so ideal zu sein, dass die älteste Bewohnerin von Bindersbach im Sommer ihren 92. Geburtstag feiern konnte.  Und dabei ist die Dame noch so rüstig, dass sie sich, ihr Haus, Garten und Hühner selbst versorgen kann.

Doch zurück in die Gegenwart.
Das Herbst-Fest 2017 stand an. Und wie jedes Jahr stand die Wanderung (und der Vortrag am Tag vor dem Fest) unter einem Thema. Dieses Jahr lautete es: "Hexenverfolgung in der Südpfalz".




Entsprechend führte uns die diesjährige Wanderung auch zum "Hexentanzplatz" bei Bindersbach. Gèrard Salmon (1. Vorsitzender des Brauchtum Vereines und langjähriges Mitglied von Einstig) führte die Wanderung an. Wie gewohnt war sie bis ins Detail vorbereitet,  und so legten wir unsere Wanderseelen vertrauensvoll in seine Hände.


Die letzten Jahre war das Wetter nicht gnädig mit uns gewesen.

 

Dieses Jahr sollte es uns für alles bisherigen Jahre entschädigen. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und frühlingshafte Temperaturen machten die Wanderung zu einem herrlichen Erlebnis.
 
  
Doch nicht nur die warmen Sonnenstrahlen brachten den einen oder anderen von uns ins Schwitzen. Auch die Wegstrecke hatte einige Steigungen und Hindernisse parat, die den Schweiß aus den Poren trieben.

Um 13.30 Uhr trafen wir uns auf dem Bindersbacher Festplatz und sammelten uns zur Wanderung. Es kamen mehr wanderlustige Leute als all die Jahre zuvor. Und so begrüßte Gérard die Menge von einer Bierbank stehend aus und stimmte uns auf die Wanderung ein.
 
  
Dann begann die Wanderung quer durch den Pfälzer Wald. Manche Waldwege waren so schmal, dass wir hintereinander gehen mussten. Und nun könnt Ihr Euch die Schlange vorstellen, die sich bildete, als 40 - 50 Wanderfreudige den Pfälzer Wald erklommen. Entgegenkommende Wanderer stellten sich verdutzt auf die Seite und ließen uns durch. Auch wenn sie es nicht fassen konnten, und manch einer sich kopfschüttelnd fragte, ob denn die Reihe jemals aufhören würde. Andere entgegenkommende Wanderer nahmen es mit viel Humor und begrüßten uns mit Klatschen und Anfeuerungsrufen wie bei einem Marathon.
  
 
Zunächst ging es immer bergau,  und man hörte die fröhlichen Gespräche der Wanderer. Die Stimmung war sehr gut, und so wurde unter Einsatz des eigenen Lebens (einfach mal so stehen bleiben konnte mit so einer Masse im Rücken schon gefährlich werden) auch der eine oder andere Käfer von der Wegstrecke gerettet. Denn bei so vielen Füßen hätten die Käfer sicher nicht die andere Wegseite erreicht.
Dennoch blieb auch Zeit, um die Natur am Wegesrand zu bewundern.
Pilze in allen Formen und Farben, Keschde, bunte Blätter und einfallende Sonnenstrahlen machten die Wanderung zu einem wunderbaren Naturerlebnis.
  
  
 
  
  
Beim ersten Halt an den Sandsteinfelsen wurde die Gelegenheit genutzt, ein Gruppenfoto zu machen.
Nach einem steilen Aufstieg (da wussten wir noch nicht, dass es noch steiler werden würde),kamen wir beim Hexentanzplatz an. Woher der Name kommt, bzw. welche historische Verbindung der Platz wirklich mit Hexen hat, konnte bis heute leider nicht nachgewiesen werden.
  
 
Über den Förleberg (jetzt wurde es richtig anstrengend) ging es weiter zum Wettereck.
Die Aussicht war grandios und wir konnten Dörfer, Städte, Burgen und Felder weit unter uns sehen.
  
  

Mit der Aussicht am Wettereck verabschiedeten wir uns langsam von der Wanderung, denn nun ging es wieder zurück nach Bindersbach.
Zurück ging es über Waldwege, die gerade wegen Forstarbeiten etwas, na nennen wir es mal "nicht so einfach" zu begehen waren.
  
 

Doch uns erwartete noch eine Stärkung während des Rückweges. Der Bindersbacher Brauchtumverein ließ es sich nicht nehmen uns noch mit Brezeln und Getränken für den restlichen Weg zu stärken.

Während der ganzen Wanderung unterhielt uns Gérard mit interessanten Infos zur Gegend. Immer wieder gab es kleine Anekdoten und Geschichten aus der Vergangenheit. So zum Beispiel zu einem in den Stein geritzten Kreuz, welches an einen tödlichen Unfall mit einem Ochsengespann erinnern soll.
Oder zu einem kleinen Bildstsöckchen, das nach der Heilung einer schwer kranken Frau von ihr aus Dankbarkeit aufgestellt wurde.
Aber auch über ein "Ferienhaus" der besonderen Art wusste unser Wanderführer Bescheid. So wird es jetzt noch regelmäßig bewohnt - und das ohne fließendes Wasser und Strom, steil am Berghang ohne Zufahrtsstraße!
Nicht minder interessant war auch die Sage des treuen Minesängers Blondel, dessen Herr König Richard Löwenherz auf dem Trifels gefangen gehalten wurde. Zu dessen Gedenken gibt es heute in Bindersbach noch den Blondelbrunnen.
Außerdem sahen wir den Steinbruch, aus dem mutmaßlich die Steine zum Bau der Reichsburg Trifels abgetragen wurden.
 
  

Wir kehrten glücklich, wenn auch etwas müde, auf dem Festplatz ein. Das Feuer flackerte, und der Essensduft verbreitete sich schon im ganzen Dorf. Auch unsere Mägen knurrten, und so ließen wir uns auf einer der Bänke im schön geschmückten Festzelt nieder.

  

Nachdem unser erster Hunger (und Durst) gestillt war, siedelten wir um auf eine Bierbank direkt am Lagerfeuer, wo die Keschden geröstet wurden.
15 kg Kastanien waren in den Tagen zuvor von Bindersbacher Kindern gesammelt und noch am Morgen des Wandertages in Handarbeit eingeritzt worden.
  

In der ersten Reihe am Lagerfeuer erlebten wir mit, wie die Waldfrüchte langsam vor sich hinrösteten, und der Duft stieg uns in die Nase.
Als die Kastanien verteilt wurden, griffen wir beherzt zu und ließen es uns schmecken. Alle waren sich einig: So gut können die Keschde nur hier am Feuer schmecken!
 
 
 
 
So klang der Abend noch gemütlich aus, und wir fuhren müde wieder zurück nach Karlsruhe.

Wir danken dem Bindersbacher Brauchtum Verein für die perfekte Planung und Ausführung des Festes. Es ist uns jedes Mal eine Freude wiederzukommen. Und wir sind schon gespannt, was uns nächstes Jahr erwarten wird.


Infos/Fotos zu Bindersbach und dieser Wanderung von: www.bindersbach.de  und  Gèrard & Brigitte Salmon

Kommentare:

  1. wunderschön geschrieben

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  2. so schön geschrieben. Es ist, als wäre ich bei der Wanderung dabei gewesen. Danke!

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